Ausgelesen: Der Mann, der den Zügen nachsah von Georges Simenon

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Erste Worte: Wie Julius de Coster junior sich im »Kleinen Sankt Georg« betrinkt und wie das Unmögliche unversehens die Dämme des alltäglichen Lebens übersteigt. Über Kees Popinga persönlich wäre zu sagen, dass um acht Uhr an jenem Abend noch Zeit war, denn da war sein Schicksal noch nicht festgelegt. Aber Zeit wozu? Und konnte er überhaupt etwas anderes tun, als er zu tun im Begriff war, zudem überzeugt, dass seinem Tun nicht mehr Bedeutung zukam als während der tausend und abertausend Tage, die vorhergegangen waren?

Kurzbeschreibung laut Verlag: Abends um acht war Kees Popingas Schicksal noch nicht besiegelt, es wäre also noch nicht zu spät gewesen. Kees Popinga hat genug davon, Kees Popinga zu sein. Und nachdem die Firma in Groningen, in der er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bankrottgeht und der von ihm bewunderte Firmenchef mit der Kasse verschwindet, gibt es für Kees kein Halten mehr: Einmal richtig leben und lieben, das will er, egal wie hoch der Preis dafür ist.

Meine Meinung: Was fällt zu aller erst sofort auf? Richtig – lange, lange, lange Sätze. Schachtelsätze, wie ich sie liebe und wie sie bei »alten Erzählungen« passender nicht sein können. Ich meine mich zu erinnern, die »Verschachtelung« findet sich noch wenigen Seiten, verschwindet dann allerdings, was sicherlich auch mit dem folgendem Tempoanstieg der Geschichte zu tun hat.

Kees ist ein gewöhnlicher Geschäftsmann, in meinen Augen zu Anfang ziemlich langweilig und wie es scheint kennt er spontane Ausflüge, Spassigkeiten – einfache Lebensfreude welche unkontrolliert daher kommt nicht wirklich. Nun ja – es kommt anders…

Kees Popinga – alleine dieser Name ist wunderbar – dreht gehörig auf nachdem er eines Abends von dem bestehenden Bankrott der Firma erfährt, welcher er jahrelang treu er- und untergeben war. Der von ihm so verehrte Firmenchef verschwindet mit samt der Firmenkasse, erweist jedoch noch eine letzte gute Tat und übergibt Popinga einen kleinen Anteil. Dies nimmt Kess Popinga zum Anlass und ändert spontan seine (langweiligen) Gewohnheiten – der Startschuss in ein neues, aufregendes Leben wurde hiermit abgefeuert und Kees stürzt sich ins pralle Leben um endlich einmal richtig zu leben!

Netter Plan, nur wie soll es anders sein, es kommt natürlich etwas dazwischen. Genauer gesagt es kommt stetig etwas dazwischen. Popinga rutscht von einem „Unglück“ ins nächste und verstrickt sich immer tiefer in Geschehnisse welche so niemals gewollt und gewünscht wurden.Wobei auch zu sagen ist, Popinga weist durchaus Talent für manche Dinge auf, welche ich ihm nie hätte zugetraut.

Autor Simenon Charakterbeschreibung seines Hauptprotagonisten ist erschreckend bezeichnend für so manches langweilige Leben– schnell entwickelt sich eine gewisse Sympathie, Verständnis für Kees Weg und ganz nebenbei taucht ein klein wenig Mitleid für den Hauptcharakter auf. Die Entwicklung der Geschichte schlendert von der anfänglichen Erzählung in ein immer düster wirkendes Drama– Kees Leben wandelt sich in kürzester Zeit mehrere Male und stimmt den Leser nachdenklich.

Das Buch mit samt Simenons Thematik hat noch lange auf mich nachgewirkt und selbstverständlich gleich zu weiteren Simenon Bücher aus der Diogenes Reihe »Ausgewählte Romane« motiviert.

Punkte gibt es für »Der Mann der den Zügen nachsah« 4/5.

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