Beeeeeetle und die Buchseiten in Thailand

Neulich – kurz vor einem Meeting. Ich saß mit meinem Chef im Büro und wir warteten auf die anderen Teilnehmer. Ich weiß nicht mehr wie wir genau auf das Thema kamen, jedenfalls erzählte ich von meinem Aufenthalt in Thailand.

Vor vielen vielen Jahren verbrachte ich knapp zwei Monate auf einer fast einsamen Insel und während meines Urlaubs ging mir dann, wie sollte es auch anders sein, der Lesestoff aus. Damals gab es noch keinen Ipod und auch sonst keine Dinge, welche einem erlaubten 100te von Hörbüchern bzw. Büchern in einem einzigen Gerät zu transportieren.

Ich saß also auf „meiner Insel“ und kam mit meiner Bungalow Nachbarin ins Gespräch.

Sie lebte seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann auf der Insel, fernab vom Alltagsstreß und frei von irgendwelchen Verpflichtungen. Beide gaben ihr „vergangenes“ Leben in Deutschland, mehr oder weniger aus einer Bierlaune heraus, einfach auf und verbrachten wie schon erwähnt, seit einigen Jahren ihr Leben auf der Insel. Zu ihrem persönlichen Reich gehörte ein selbst gebautes Bungalow, welches einen kleineren, extra Anbau vorwies. Dieser „Zusatz“ beinhaltete wie sich im Laufe des Gespräches herausstellte ihre persönliche Bibliothek. Es verstand sich natürlich von selbst dass ich den beiden einen Besuch abstattete.

Ich fand mich also wie versprochen bei den beiden ein und wurde auch sofort stolz in die „Bibliothek“ geführt. In diesem Raum befanden sich hunderte von Büchern! Alles gespendet von Touris – wurde mir sofort erklärt. Zu finden war jedes und ich betone JEDES Genre – ich hätte weitere Monate auf der Insel verbringen können ohne dass mir je der Lesestoff  ausgegangen wäre.

Nach einiger Zeit des Stöberns entschied ich mich schließlich für ein Buch.

»Die geheime Geschichte von Donna Tarrt«

Das Buch wies zahlreiche Gebrauchspuren auf, Eselsohren schmückten die Seiten und die Buchdeckel waren mehr als abgegriffen – ein schönes altes Buch also. Kurz wurde ich noch bezüglich des Inhalts aufgeklärt und wurde dann mit den Glückwünschen zur gut getroffenen Auswahl ins Freie entlassen. Sofort machte ich mich ans lesen.

An die 570 Seiten lagen vor mir. Was ich auch machte, ich hatte dieses Buch immer bei mir. Ich lass sofort nach dem Aufstehen, beim Frühstück, irgendwo im Schatten sitzend, in der Hängematte oder auf dem großen Felsen direkt am Strand.  Das Buch fesselte mich von Anfang an. Eine wunderbare Geschichte – ein mörderischer College-Krimi – ähnlich wie »Der Club der toten Dichter« nur eben mörderischer. Unglaublich spannend und fesselnd!

Ich saß auf meiner Bungalowtreppe und blätterte die letzte Seite im Buch um, verschlang die letzten Sätze und war äußerst gespannt wie die Geschichte wohl endete.

Doch was war das?  Der letzte Satz des Buches endete mitten im Satz! In diesem Moment sprang ich entsetzt auf , zischte ein lautes »ach ne!« heraus und blickte völlig entsetzt auf das Buch in meiner Hand. Das konnte doch nicht sein – die eigentliche »richtige letzte Seite« des Buches  fehlte.  Ich war außer mir! Ich blickte zu meinem Nachbar-bungalow und sah wie mich die «Bibliothekarin der Insel« fragend anstarrte.

»Dagi da fehlt die letzte Seite in dem Buch – das kann jetzt nicht sein« rief ich zu ihr rüber. Sie winkte mich zu sich, stieg aus ihrer Hängematte und nahm das Buch in Empfang. Sie blätterte es durch und blickte überrascht auf die letzten Worte des Buches – die falschen letzten Worte des Buches.

Gewohnt entspannt und locker drehte sie sich zur Haustür, rief unerwartet laut und plötzlich ein langezogenes »Beeeeeeeeeetel« ins Haus und wartete. Ich stand fragend neben ihr. Aus dem Bungalow folgte ein schnelles kurzes »Ja«.

»Du Beeeeetle, hier in dem Buch – in der geheimen Geschichte – Du da fehlt die letzte Seite! Weißt Du da was von?« Ich blickte fragend zuerst meine Nachbarin an und dann in das Dunkle des Bungalows. Was war das für eine Frage? Welcher Mensch könnte schon etwas über den Verbleib einer letzten Seite eines Buches wissen? Kurzes Geraschel folgte aus dem Häuschen, deutlich konnte ich an der Rauchschwade erahnen in welchen Zustand sich Beeeeeetle offensichtlich befand und betete im Geheimen das mir einer der Beiden den Schluß des Buches offenbaren würden. »Beeeetle! Was ist denn nun?« rief die Nachbarin ungeduldig ins Haus. »Ja ja Moment« kam es zurück.

Sie schüttelte mit dem Kopf und murmelte irgendwas vor sich hin – zog noch einmal an ihrer Zigarette bevor sie die selbige in den Aschenbecher warf und ging zielstrebig in das Haus. Sie drehte sich noch einmal kurz zu mir um: »Warte hier! Das wär doch gelacht« Was auch immer sie meinte. Wo sollte ich auch hin? Das Buch ohne Ende in meiner Hand verfluchte ich einen Moment den Umstand, nicht eben mal schnell in den nächsten Buchladen gehen zu können um den Schluss des selbigen zu lesen. Nein stattdessen stand ich an der Treppe einer Veranda und blickte in das Dunkle.

Seltsame Geräusche kamen aus dem Bungalow. »Mensch Beeeeetle, ich hab schon hundertmal gesagt das mich das nervt« hörte ich sie innen wettern.  »Reg dich nicht auf Dagi, das haben wir gleich« antwortete ein entspannter Beeeeetle. Plötzlich traten beide aus dem Dunklen, in der Hand hielt Beeeeetle zahlreiche, verschiedene Buchseiten wie ich an der Farbe und am Format erkennen konnte. »Wie heißt die Geschichte noch mal?« fragte er mich. »Eine geheime Geschichte« lautete meine Antwort. »Welche Nummer hat die letzte Seite in dem Buch?« fragte er diesmal. Ich blickte in das Buch und nannte ihm die letzte Seitenzahl. Er nickte und raschelte wieder mit den Papieren und gab mir dann bis über beide Ohren grinsend eine lose Buchseite.

»Hier schnell lies!«

Ich blickte kurz auf die Seite erkannte das sie zu meinem Buch gehörte und lass im Stehen die Seite. Währenddessen herrschte absolute Stille. Ich drehte die Seite um, blickte dabei in die immer noch strahlenden Gesichter der beiden und lass dann endlich die ersehnten letzten Sätze des Buches.

Es war vollbracht! Der Schluss war mein!

»Tolles Buch oder? Hat`s Dir gefallen?« Ich nickte und bedankte mich für die unglaubliche Hilfe – was für ein Glück das ihr die Seite gefunden habt, stammelte ich.

»Ach Du das kommt öfters vor, wir haben hier keinen Tesa und deshalb sammeln wir einfach alle Seiten und so ein panisches Gesicht, wie Du es gerade gemacht hast, haben wir hier schon einpaar mal  gesehen, immer wieder erheiternd« verkündete Beeeetle und drehte sich dann – ohne eine Antwort von mir zu erwarten – um und ging zurück in die  Dunkelheit des Hauses……

4 thoughts on “Beeeeeetle und die Buchseiten in Thailand”

  1. Das ist ja wohl mal ne geniale GEschichte! ich mußte mich sooooo zusamenreißen, jetzt grade nicht laut loszubrüllen vor lachen, weil mein Liebster noch scläft… mann, da weiß man so ein Buch dann aber wirklcih zu schätzen. Das vergißt du nie wieder! Und Gelassenheit kannste so auch lernen! Mann! Das find ich wirklich super! endlich mal wieder irgendwas lustiges im Netz zu lesen! Danke! Das rettet meinen MOrgen! Das Nest

    1. Vielen Dank für den Kommentar! Schön das meine Geschichte zum lachen animiert und Deinen Morgen rettet, so soll es sein🙂 Freu mich über jedes Lachen!!!

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