Trigger, der Fenstermensch und ein schneller Aufbruch Teil I

Seit etwa zwei Jahren wohne ich nun in meiner „neuen“ Wohnung. Bedingt durch eine Kündigung aufgrund Eigenbedarfsnutzung musste ich meine „alte“ heißgeliebte Wohnung, die sich in einem der schönsten Stadtviertel befand, schweren Herzens verlassen. Die „neue“ Wohnung, mittlerweile kann ich das sagen, ist eine deutliche Verbesserung – hinterher ist man eben immer schlauer.
Die Lage ist, nicht nur bedingt durch meine Lebensumstände, ein wahrer Glücksgriff. Die meisten meiner Freunde sind in den letzten 2 Jahren in meine unmittelbare Nähe gezogen. Zu Fuß und auch mit der U-Bahn, bin ich in wenigen Minuten mitten im Zentrum. Soweit so gut! Einen kleinen Haken hatte das Ganze aber:

Im Winter sind bekanntlich die Temperaturen doch sehr abweichend zu den Sommergraden. Letzten Winter fiel mir bereits auf, dass das ein oder andere Fenster in meiner Wohnung mehr kalte und frische Luft in die warme Wohnung beförderte als gewünscht. Selbstverständlich spreche ich hier von geschlossenen Fenstern!

Wie dem auch sei, meine eigene Faulheit und der eher milde Winter, hinderten mich letztendlich daran, mich bereits im vergangenen Jahr um dieses Problem eingängig zu kümmern.

Gegen Mitte November diesen Jahres, verspürte ich jedoch abermals ungewollte Luftzüge in meiner Wohnung. Dem ungewünschten Gebläse und dem damit verbundenen Umstand meine Heizkosten nicht immens in die Höhe jagen zu wollen, rief ich bei meiner Hausverwaltung an. Ich schilderte die Problematik und am anderen Ende der Leitung stieß ich sofort auf Verständnis und sogleich wurde mir versichert, den Auftrag an den dementsprechenden Handwerker postwendend weiterzugeben. In kürzester Zeit würde sich der Handwerker bezüglich eines Termins mit mir in Verbindung setzen.

Es verging eine Woche.

Mitte der zweiten Woche rief ich nochmals bei meiner Hausverwaltung an. Am Apparat diesmal eher eine Person, die Verständnis und vor allem Freundlichkeit eher für ein Fremdwort hielt. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Auftrag sehr wohl an den zuständigen Handwerker weitergegeben wurde. Dieser sei offensichtlich sehr beschäftigt, da die Problematik der unfreiwilligen Klimaanlage mehrere Mieter beträfe.

Sie bemängelte ebenfalls, dass sich komischerweise alle immer gleichzeitig melden würden und der Handwerker selbst wäre auch nur ein Mensch und sie nicht seine Sekretärin. Aha – mein manchmal rebellisch werdendes Gemüt konnte sich in diesem Falle nicht zurückhalten, ich erwähnte dass es durchaus verständlich sei, wenn sich betroffene Mieter erst im Winter melden da es auch erst dann, bedingt durch die nicht sommerlichen Temperaturen, auffällt. Der Handwerker würde sich melden waren die letzten Worte der „Nicht-Sekretärin“. Ich verabschiedete mich notgedrungen.

Es vergingen weitere zwei Wochen.

Selbes Spiel, selber Anruf, selbe Aussage, selbe Laune und selber Effekt.
Die Telefonnummer des Handwerkers wurde mir, trotz eingängiger Bitte, nicht mitgeteilt. Ich müsse einfach warten. Das Gespräch wurde beendet und ich verließ daraufhin meine Wohnung.

Mitte Dezember rief ich erneut an, diesmal gab es keinen Gesprächspartner. Der Anrufbeantworter der Hausverwaltung teilte mir mit, dass sich die Mitarbeiter gesammelt auf einer Weiterbildung befänden und ab der darauffolgenden Woche Betriebsurlaub wäre. Eine Hausverwaltung hat Betriebsurlaub? Das habe ich bis dato auch noch nicht gehört. Es ist ja jetzt nicht so, dass diese Hausverwaltung nur drei Wohnungen zu betreuen hätte.  Kopfschüttelnd legte ich auf.

Jetzt stand also fest – in diesem (also im vergangenem Jahr) würde kein Handwerker die Fenster reparieren. Weder bei mir, noch in den anderen (ca. 500) Wohnungen.

Ich entschied mich, mein Fensterproblem selbst in die Hand zu nehmen und dichtete das Wohnzimmerfenster mit einer vorgelegten, eigens dafür entworfenen, dicken Stoffschlange ab. In der Küche wurde der vor Jahren mitgebrachte Sarong aus Thailand auf das Fensterbrett zur Dämmung gelegt. Im Schlafzimmer zierte ein dickes grünes, zusammengerolltes Handtuch die Fensterbank…Alles andere als schön – aber hilfreich. Den Weg zum Baumarkt ersparte ich mir.

Einige Wochen später, im Jahre 2010

Ich stand in der Küche und lauschte den ersten Worten meines neuen Hörbuches „Trigger“. Wulf Dorn, Autor und zugleich Sprecher, begann mit ruhiger, angenehm kräftiger Stimme von der Protagonistin Dr. Ellen Roth zu berichten.
Nach einer Stunde Hörzeit wurde ich durch einen Telefonanruf gestört und unterbrochen. Eine unbekannte Nummer erschien auf dem Display. Jegliche Gemeinsamkeiten zu den gerade gehörten Geschehnissen vertrieb ich aus meinem Kopf.
Ich entschloss mich allerdings trotzdem, den Anruf nicht entgegenzunehmen. Der Besitzer der unbekannten Nummer, hinterließ keine Nachricht auf meiner Mailbox.

Fortsetzung folgt….

2 thoughts on “Trigger, der Fenstermensch und ein schneller Aufbruch Teil I”

  1. Achjaaaaa! Da kriege ich richtig nostalgische gefühle! Bei mir gibt es einen halben Ordner höchst unliterarischer Korespondnz mit der Hausverwaltung zum thema „Reparaturen im Badezimmer“, die nur *sehr* geringe fortschritte macht und ihren Anfang im jahr 1999 nahm… also nur Mut! Das wird noch!t

  2. Habs gerade gelesen!!! Sehr gut!! Gefällt mir…wann geht es denn weiter? Wieder diese Wartereiiiii🙂

    Schnell weiterschreiben bitte …

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