Advent, Advent, Groß grösser, Kinderaugen Teil VI

Fortsetzung…

Mikael Blomkvist saß zwei Stunden später im Büro des Verfassungsschutzes und berichtete wie es zu diesem Chaos im Restaurant kam. Ich biss, zur Beruhigung in einen Spekulatius.

Die beiden anderen Stationen waren jetzt mein Ziel. Auf dem Boden sitzend begann ich dieselbe Prozedur wie bei den beiden ersten Einpackaktionen. Diesmal ging es schneller, zur Stärkung knabberte ich immer mal wieder zwischen Tesa, Servietten und Geschenkbändern sitzend, eifrig an meinen Spekulatius. Das Einpacken von Päckchen Nummer sechs und 24 vertagte ich auf später.

Die beiden Päckchen erforderten genaueres arbeiten und momentan war mir eher nach schnellem Einpacken zumute. Ich hatte noch zwei Stunden und 25 Minuten Hörbuch vor mir, Erika Berger stellte zu diesem Zeitpunkt Susanne Linder erneut als Bodyguard ein.

In Dietmar Bärs Erzählung war es Mittwoch der 13. Juli. Ich saß immer noch auf dem Boden bei aufgedrehter Heizung und verfluchte für einen Moment den kalten Winter. Wie schön wäre es jetzt in der warmen Sonne zu liegen und einfach nichts zu tun. Der Gedanke war natürlich absurd, um 22 Uhr wäre selbst im Sommer keine Sonne mehr spürbar. Ich bastelte weiter und näherte mich langsam, wenn auch in kleinen Schritten, dem Ziel. Die Sitzposition erwies sich allmählich als extrem unbequem und während ich es mir gemütlicher auf dem Boden machte, verstellte ich dabei versehentlich die Lautstärke meines Ipods. Mikael Blomkvist wunderte sich stattdessen über die diskreten und leisen Lautsprecher im Gerichtssaal, mir hingegen vielen bei der unerwarteten Erhöhung der Lautstärke, die Ohren ab. Schnell stellte ich die Lautstärke wieder auf normal ein und Mikael Blomkvist nahm derweilen im Gerichtssaal auf der linken Seite Platz. Der Saal füllte sich langsam, meine Spekulatius Tüte hingegen wurde immer leerer.

Der Staatsanwalt begann die Anklage gegen Lisbeth Salander zu eröffnen. Die Liste der Anklagepunkte schien endlos zu sein, ich lehnte mich mit dem Rücken an meine Spülmaschine und lauschte den Punkten. Schwere Körperverletzung, Bedrohung, Mordversuch, Einbruch in zwei Fällen, Diebstahl eines Fluchtfahrzeuges, unerlaubter Waffenbesitz in drei Fällen, Diebstahl und Unterschlagung von Beweismaterial und eine Reihe von kleineren Delikten. Insgesamt umfasste die Anklageschrift 16 Punkte. Der Staatsanwalt berief sich ebenfalls noch auf verschiedene psychologische Gutachten die den Geisteszustand von Lisbeth Salander mehr als in Frage stellten. Angeblich würde sie an einer ernsthaften psychischen Störung leiden, ich lauschte gespannt weiter.

Meine noch einzupackenden Gegenstände wurden glücklicherweise auch weniger und so hatte ich es fast geschafft. Noch an die fünf Teile galt es einzupacken und dann waren da ja auch noch die Dinge für den sechsten und 24 Tag. Langsam verließ mich dich Lust. Ich motivierte mich selbst mit einem weiteren Spekulatius und einer weiteren Tasse Kaffee.

Die Schöffen traten in den Saal und kurz danach erschien Lisbeth Salander in den für sie typischen, provokanten Klamotten. Mikael Blomkvist wunderte sich zu Anfang weshalb die Anwältin die Kleidungswahl von Lisbeth zuließ, erkannte jedoch schnell, dass dies durchaus eine gewollte Strategie war. Ich packte fleißig weiter zwei Päckchen ein. Die Verhandlung wurde mit einem Hammerschlag des Richters eröffnet.

Päckchen Nummer sechs erwies sich als störrisch. Ich benötigte hierfür zusätzliches Geschenkband. Der etwa 25 cm hohe Körper wurde  regelrecht verschnürt und nach Fertigstellung zu den anderen gelegt. Die Gerichtsversammlung befand sich mittlerweile im vollem Gang und ich widmete mich, dem letztem Päckchen der Bodenstation. Nach fünf Minuten war es geschafft. Die Station war fertig und ich streckte mich erst einmal ausgiebig.

Insgesamt hatte ich 72 unterschiedliche Dinge zu kleinen Päckchen verschnürt. Ich war geschafft und ziemlich müde, dem Chaos in meiner Küche nach zu urteilen, war jedoch noch lange nicht an Feierabend zu denken. Ich suchte nach einer großen Tasche und legte vorsichtig die ersten 24 Teilchen hinein, die nächsten 24 passten geradeso in die Tasche. Für die nächsten 24 benötigte ich eine weitere Tasche und nachdem ich endlich alle Päckchen in dieselbige verstaut hatte, machte ich mich daran, Ordnung in das Küchenchaos zu bringen. Ich fand Tesa Rollen in den hintersten Ecken, das rote Geschenkband ähnelte eher einem riesigen Knoten und ich dachte kurzzeitig darüber nach, dass Kunstobjekt als zusätzliches Dekomaterial zu benutzen. Das völlig verwurschelte Geschenkband ließ sich, selbst nach längerem Kampf, nicht wieder in den Normalzustand entknoten und somit schmiss ich es kurzerhand in den Müll. Lust und Nerven waren am Boden. Einzelne Papierfetzen, Serviettenstückchen und sonstiges sammelte ich schwerfällig ein und entsorgte sie ebenfalls. Die beiden Taschen stellte ich in den Gang, machte die Kaffeemaschine aus und ging mit Dietmar Bärs Stimme ins Bad. Ich putzte mir gerade die Zähne als Annika Giannini, die Anwältin von Lisbeth Salander, nach der Mittagspause die Verhandlung fortsetzte. Sie stellte die Aussagen des vorigen Zeugen in Frage und endlich lief sie zur Hochform auf. Ich putzte weiter Zähne und stellte den Ipod lauter. Es wurde spannend. Annika Giannini nahm den Zeugen in die Mangel und mit jedem weitern Wort seinerseits wurde dieser unglaubwürdiger. Ich saß auf dem Badewannenrand und lauschte gespannt dem Verhör. Nach einigen Minuten des Lauschens, drückte ich schnell auf Pause und machte mich in windeseile bettfertig, sofort drückte ich auf Play und verfolgte weiterhin das Verhör.

Der Zeuge, ein anerkannter Psychologe, erwies sich als einer der abscheulichsten Menschen. Sein Verhalten und seine Vorgehensweise bei der für Lisbeths verordneten Therapie im Kindesalter, ließ mir die Haare zu Berge stehen. Einerseits war ich total müde aufgrund der Bastelaktion in meiner Küche, andererseits musste ich unbedingt weiterhören. Ich lag bereits in meinem Bett und lauschte gebannt der Erzählung.

Urplötzlich schreckte ich durch eine mir unbekannte Stimme auf. Es bedarf einige Sekunden bis ich begriff was vor sich ging. Die Kopfhörer steckten noch in meinen Ohren und die Stimme erklärte gerade Dr. Watson den Tathergang. Offensichtlich bin ich trotz spannendem Hörbuch eingeschlafen, der Fall von Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander war längst zu Ende und stattdessen rieß mich Sherlock Holmes unsanft aus dem Schlaf. Ich stoppte die Erzählung, legte den Ipod beiseite und drehte mich noch einmal um. Ich schlief sofort wieder ein.

Einige Stunden später, eigentlich waren es eher gefühlte wenige Minuten, klingelte mein Wecker.

Entgegen meiner Gewohnheit sprang ich zeitgleich aus dem Bett, stoppte den Wecker und ging ins Bad. Nur nicht nachdenken, das ist die beste Methode für mich morgens aufzustehen. Sofort unter die Dusche gehen, dann kann ich auch nicht mehr einschlafen und somit verschlafen. Immerhin hatte ich Einiges vor an diesem Tag. Ich stellte einen persönlichen Duschrekord auf und fand mich, mit dem ebenfalls  aktivierten Dietmar Bär in der Küche vor der Kaffeemaschine ein. Schnell spürte ich die vermeindliche Stelle an der ich offensichtlich eingeschlafen war, auf. Während der Kaffee durch die Maschine lief, saß ich mit meinem Kopf bereits in der Gerichtsverhandlung und lauschte begeistert den Ereignissen.

Nach knapp zwei Tassen Kaffee, die ich während des Anziehens und Haare Föhnens  trank, verließ ich, mit den zwei vorbereiteten Tüten meine Wohnung Richtung Auto. Auf dem Weg zur Arbeit beobachtete ich den Verlauf der Verhandlung.

Fortsetzung folgt…(noch ein Teil folgt)

One thought on “Advent, Advent, Groß grösser, Kinderaugen Teil VI”

  1. Hm, also allmählich werde ich ja doch noch so richtig neugierig auf das Buch. sobald ich wieder Schotter hab, ist es wohl fällig, ob nun gekürzt oder nicht. tja, der schicksalhafte 6. und 24. Tag… Die Bodenbastelaktion war übrigens sehr anschaulich, sodaß ich beim Wort „Bodenstation“ erstmal überlegen mußte, welche gemeint war… Bin gespannt auf den Endspurt!

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