Advent, Advent, Groß grösser, Kinderaugen Teil IV

Fortsetzung …

Mikael Blomkvist traf sich mit Idris Ghidi in dessen Wohnung und ich starrte derweilen kopfschüttelnd auf einen etwa 1,80 m großen, in ein Netz eingewickelten Körper. Ungläubig ging ich näher ran und tatsächlich bewahrheitete sich meine Vermutung. Ein zusammen gewickelter, großer, grüner Tannenbaum lehnte in der hintersten Ecke meines Speichers!

Himmel, es ist noch nicht einmal Dezember und die Leute kaufen schon Christbäume! Bis zum eigentlichen Festtag, steht wahrscheinlich nur noch ein nackter Ast in der Wohnung, an dem dann die bunten Kugeln und das, ach so umweltfreundliche, Lametta aufgehängt werden. Ist schon verrückt dieser ganze Weihnachtskram!

Vielleicht sollte ich „Osterhase“ spielen und den Baum verstecken?

Idris Ghidi nahm den von Mikael angebotenen Job an und Blomkvist versicherte ihm 1000 Kronen wöchentlich in bar zu bezahlen. Natürlich würde das Finanzamt nie davon erfahren, warum auch.

Zurück vom grusligem Speicher, wir erinnern uns, er ist ziemlich dunkel und ich muss Montag bei der Hausverwaltung diesbezüglich anrufen, hatte ich einen Anruf in Abwesenheit und einen Mailboxhinweis auf meinem Handy vermerkt.

„Mitbenutzerkind I“ hat mich angerufen. Ups, was da los? Sofort tippte ich auf das Mailbox Zeichen. Eine seltsame Computerstimme begrüßte mich. Nein, sie wünschte mir keinen schönen ersten Advent. Ich erhielt stattdessen eine maschinell gesprochene Kurznachricht. Irgendwie befremdlich. Die Stimme fragte mich ob ich denn vielleicht genervt wäre und ob ich heute nochmal vorbei kommen möchte. Das war die erste Sms die ich von „Mitbenutzerkind I“ bisher erhielt!

Fand sich da ein Lächeln in meinem Gesicht? Ich antwortete sofort, ebenfalls per Sms. Natürlich war ich nicht genervt, zugegeben der Weihnachtstrubel ging mir etwas auf die Nerven, doch generell war ich, dank Dietmar Bär und seiner vorgetragenen Geschichte. bester Laune. Selbstverständlich ließ ich bei meiner Sms die Erwähnung vom nervigen Weihnachtstrubel weg, Dietmar Bär erwähnte ich auch mit keiner Silbe. Karl Axel Bodin erhielt in der Zwischenzeit Besuch im Krankenhaus und blickte kurz darauf in den Lauf einer Waffe. Dies dürfte auch das letzte gewesen sein, was er in seinem Leben sah.

Zugegeben, ich bin nach einer weiteren Stunde Hörbuch, in der ein Selbstmorden vollzogen wurde und Erika Berger Bekanntschaft mit einer äußerst gestörten Persönlichkeit gemacht hat, nochmals zur „Mitbenutzerfamilie“. Dort begutachtete ich ein dickes bläuliches Knie. Natürlich nicht das von Lisbeth Salander – sie hatte immer noch ein Loch im Kopf und spielte trotz alledem an einem, ihr zugesteckten Palm, sie schrieb bereits eifrig die ersten Emails und hackte sich mit diesem kleinen Palm Computer auf diverse Rechner. Geht nicht? Geht doch, ich hab selbst einen!

Ich staunte ein zweites Mal an diesem Tag über den selbst gesteckten Adventskranz und entdeckte ganz nebenbei noch zwei, prall gefüllte, selbstgebastelte Adventskalender.

Drei strahlende Augenpaare sahen mich an und grinsten um die Wette. Mitbenutzerkind II zeigte stolz auf einen der Adventskalender und meinte: “Der ist für Dich ganz alleine, ich muss meinen mit Mitbenutzerkind I teilen!“ Ich war sichtlich gerührt, Mitbenutzerkind II strahlte weiterhin über beide Ohren und plötzlich, ja urplötzlich, tauchte da ein wunderschönes Gefühl auf, eins das mich ziemlich Schlucken ließ und das mich gleichzeitig total inspirierte. Tausend Gedanken schossen durch meinen Kopf.

Montagmorgen 30. November, Uhrzeit: 05:45.

Mitbenutzerkind II stürmte das Zimmer und stand unter den Adventskalender. „Was ist heute für ein Tag?“ „Heute ist Montag, morgen können wir erst reinschauen“, erwiderte ich. „Ach blöd, ja gut hoffentlich ist bald morgen“, war die Antwort von Mitbenutzerkind II, als es aus dem Zimmer stampfte. Gut, wach war ich jetzt ja schon mal!

Auf dem Weg zum Bad kam ich am Zimmer von Mitbenutzerkind I vorbei, welches bereits fertig angezogen auf seinem Stuhl saß und gerade die Schuhe anzog. „Wo willst du denn hin um diese Uhrzeit?“ fragte ich ungläubig. „Ich gehe Semmeln holen.“ lautete die prompte Antwort. Ich glaub ich bin im falschen Film, war mein erster Gedanke, Mitbenutzerkind I ist schon aufgestanden, angezogen und holt jetzt auch noch freiwillig Semmeln und das an einem Montagmorgen. Seltsam, entweder geschehen Wunder oder am Frühstückstisch wird uns gleich eine schlechte Nachricht präsentiert. Ohne schlechte Nachrichten und extrem gutgelaunt setzte ich mich zwei Stunden später in mein Auto. Lisbeth Salander meldete sich zu Wort.

Fortsetzung folgt…

One thought on “Advent, Advent, Groß grösser, Kinderaugen Teil IV”

  1. Heureka! Hab mich zur Kommentarfunktion durchgewuselt! Und ganz allein! Jetzt aber! Gefällt mir immer noch richtig gut. bin gespannt, was für eine finster Nachricht da wartet. An Wunder glaub ich nicht. Überhaupt hat der Schreiber/die Schreiberin dieser Zeilen ein echtes Talent dafür, an den spannendsten Stellen aufzuhören🙂 Aber in diesen Hörbüchern scheint es ja rasant zuzugehen. Was da so innerhalb einer Stunde passiert! Sind aber stark gekürzt, glaub ich. ich warte jedenfalls schon auf die nächste Folge. Und der kleine Familieneinblick hat mich mit gerührt.

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