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Archiv der Kategorie: Kurzgeschichten

Hey @tanteschmitt – weißt Du noch genau vor einer Woche…

Ok – jetzt ist es tatsächlich schon eine Woche her. Eine ganze Woche ist vergangen und ich hab`s ehrlich gesagt noch nicht mal richtig gemerkt – ich bin leer im Kopf – völlig ohne Zeitgefühl. Ich möchte es nieder schreiben, erzählen und berichten, was genau vor einer Woche passiert ist, ich bekomm die Kurve nicht – ich – ich weiß gar nicht wie ich es schreiben soll.

Mensch @tanteschmitt, ich bin so froh das wir raus sind – wir alle zusammen – Du, die Kids und ich!

Ok von vorn, ich weiß eh nicht wo ich anfangen soll, was ich erzählen soll, ich mach es kurz. Samstag, 19. März 2011: Einen schönen entspannten Tag verbracht mit @tanteschmitt und dem kleinsten Teil der Kids. Einkaufsbummel, Klamottenkauf, gestöbert in Büchern und einfach den Tag genossen. Abends wollten wir zusammen kochen. Der Ältere kam nach Hause, motzig, schlecht gelaunt vom Schwimmtag. Er wollte nicht so recht mit der Sprache heraus, letztendlich wurde uns erzählt, er wäre vom 5 Meter Brett aus direkt auf`s Gesicht gefallen und deshalb diese schlechte Laune. Er ging an diesem Abend schlecht gelaunt und viel früher als sonst ins Bett. Die kleine Schwester folgte ihm wenige Minuten später.

@tanteschmitt und ich saßen vor dem TV, ich las noch ein wenig und gegen 2 Uhr nachts gingen wir schließlich ebenfalls ins Bett. Vorab ist noch schnell zu erwähnen, dass im Haus eine Party im Gange war, genauer eine Geburtstags- inkl. Einzugsparty. Wir waren bezüglich der Lautstärke “vorgewarnt”, was aber gar nicht nötig war, denn die Party war in entspannter Lautstärke und ganz und gar nicht störend.

Kurz – wir sind schnell eingeschlafen.

Booooooooooooooooom, ein unglaublich lauter Knall riss uns urplötzlich aus dem Schlaf. Der erste Gedanke galt der Party, in der nächsten hundertstel Sekunde war uns jedoch sofort klar das irgendetwas anders war. @tanteschmitt stürzte aus dem Bett und zum Fenster ich sprang ebenfalls aus dem Bett und setzte gleichzeitig meine Brille auf und griff zum Handy. @tanteschmitt warf das für eine Sekunde geöffnete Fenster wieder zu und spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir schnell aus der Wohnung mussten. Beissender Rauch drang da bereits in mein Schlafzimmer!

“Weck die Kinder – wir müssen sofort raus”, das waren meine Worte und dann ging plötzlich alles furchtbar schnell. @tanteschmitt rannte ins andere Zimmer weckte die Kids, diese sprangen erschreckt aus dem Schlaf hoch und gemeinsam zogen sie sich in Windeseile an. Ich rief in der Zwischenzeit bei der Feuerwehr an und wahr heilfroh, als sich jemand meldete. Ich ging zur Haustür und öffnete sie. Im selben Moment schlug mir dicker, starker Rauch entgegen und ich schmiss die Tür sofort wieder zu. Ich wusste, ich komm nicht rüber zu meiner alten Nachbarin, um sie zu wecken. Auch wusste ich, dass wir auf keinen Fall das Treppenhaus benutzen konnten. Der Rauch war unglaublich – beängstigend!

Ich berichtete alles dem Mann am Telefon. Er sprach sich ebenfalls gegen das Vorhaben “Treppenhaus” aus und bat mich ihm genau zu schildern was sich in unserer Wohnung tat. Ich berichtete vom Rauch der langsam in meine Wohnung schlich. Meine Liebsten eilten zeitgleich in das Badezimmer, der einzige rauchfreie Raum.

Ich lief mit dem Mann am Ohr die Fenster ab und bestätigte ihm bei jedem einzelnen Fenster, ich habe vier, starken Rauch und vereinzelt sah ich an dem ein oder anderen Fenster Flammen hochkriechen. Irgendwo dazwischen zog ich mir eine Jeans und Schuhe an. Der Mann am Telefon, übrigens unglaublich ruhig und hervorragend geschult ( ich war zu jedem Zeitpunkt davon überzeugt das wir rausgeholt werden!!!!!!!!) versicherte mir, dass die Feuerwehr bereits unterwegs war und ich mich ebenfalls in den rauchfreien Raum zu meiner eigenen Sicherheit begeben sollte. Wir verabschiedeten uns und ich ging wie versprochen ins Bad. Dort fand ich meine Drei vor, noch das Handy in der Hand warf ich einen Stapel Handtücher aus dem Schrank ins Waschbecken und wies den ältesten an, diese nass zu machen und an alle zu verteilen. @tanteschmitt half ihm dabei und zog sich selbst noch schnell die Schuhe an. Mit den nassen Handtüchern vor dem Gesicht setzten sich alle auf den Fussboden. Ich stand an der Tür. Mir fiel ein, dass ich keine Papiere, kein Geld, kein Nichts bei mir hatte. Im Falle, dass das Haus abbrennen würde, hätte ich nicht mal einen Ausweis bei mir.

Ich war wie gesagt zu jeder Zeit 100%ig davon überzeugt, dass wir rauskommen und deshalb entschied ich mich, noch einmal nach draussen zu gehen und meinen Rucksack inkl. Geldbeutel zu holen. @tanteschmitt und die Kids starrten mich zwar kurz an als ich sagte, ich würde noch einmal nach draußen gehen um Papiere zu holen. “Wenn Dir mein Rucksack begegnet – kannst Du ihn mitnehmen?” rief mir @tanteschmitt entgegen.

Ich eilte raus – schloss die Tür – rannte durch den rauchigen Gang in die Küche und schloss die Tür hinter mir. Das nasse Handtuch vor Mund und Nase haltend erblickte ich sofort meinen Rucksack, in ihm befand sich mein Geldbeutel. Der Nintendo DS des Ältesten lag auf dem Küchentisch – das Ladekabel daneben, ich warf beides in meinen Rucksack. Die Einkaufstüte mit den neu gekauften Klamotten, die sich auf dem Küchenstuhl befand, warf ich geistesgegenwärtig ebenfalls in meinen Rucksack. Ich zog meine Jacke an, welche über dem Stuhl hing und öffnete die Küchentür und trat in den Flur.

Im Gang war mittlerweile deutlich mehr Rauch zu sehen als vor wenigen Sekunden. Ich schloss die Küchentür und blickte ins Wohnzimmer. Dort sah ich mein Macbook inkl. Ladekabel auf dem Schreibtisch liegen. Ich schnappte es mir, warf es in den Rucksack und schnallte mir diesen dann schließlich um. Die Tür zum Wohnzimmer schloss ich ebenfalls – warum weiß ich nicht – ich eilte zurück Richtung Badezimmer. Im Flur schnappte ich noch nach beiden Schlüsseln, absurderweise nach den Mitarbeiterausweisen und letztendlich nach @tanteschmitt`s Rucksack.

Im Bad saßen ruhig und konzentriert meine Drei und mir schien, als würden sie kurz lächeln als sie mich sahen. Ich warf @tanteschmitt ihren Rucksack entgegen und dann war absolute Stille im Raum. Wir lauschten, was passiert. Geräusche aus dem unteren Treppenhaus drangen zu uns ins Bad. Dumpfe Geräusche, es schien, als würde gegen die Wand geschlagen werden oder gegen Türen oder gegen die Treppe. Genau konnten wir es nicht zu ordnen.

Ich merkte, wie der Rauch langsam auch ins Badezimmer kam, ich ging in die Hocke und rief noch einmal bei der Feuerwehr an. Sofort hatte ich wieder die Stimme am anderen Ende. “Hallo wir sind immer noch im Badezimmer – wir sind immer noch zu viert und langsam wird`s eng!” Die Stimme versicherte mir dass sie unterwegs seien. Sie sind bereits im Treppenhaus und versuchen nach oben zu kommen. Sie wären gleich, sofort, auf der Stelle, augenblicklich da. “Ok gut!” Ich legte auf und sagte noch (total albern) zu den Kids: “Wenn jetzt gleich der Feuerwehrmann kommt dann müsst ihr bitte machen was er sagt!” Alle nickten mir zu und es dauerte nicht mehr wirklich lange, bis wir etwas Lautes gegen die Tür schlagen hörten.

Ich sprang auf und öffnete die Wohnungstür. Vor mir stand ein maskierter Mann, in der einen Hand eine Axt und die anderen Hand hob er zum Gruss für einen Bruchteil einer Sekunde. Wir blickten uns an er sagte, bedingt durch die Atemmaske, mit einer Darth Vader Stimme  ”Servus” und schon stand er auch schon in meiner Wohnung.

“Wieviele Leute sind wo genau in der Wohnung?”

“Wir sind vier, drei noch hier im Bad”

Er schob mich ins Bad, und forderte @tanteschmitt auf das Fenster zu öffnen. Wir protestierten kurz, öffneten jedoch das Fenster um es dann auch gleich wieder zu schließen.

“Ok hier geht`s nicht raus”

Wir folgten ihm aus dem Badezimmer und er lief ins Schlafzimmer, hier war auch sofort klar das es nicht raus ging. In der selben Sekunde standen wir mit ihm in der Küche – auch hier ging es nicht raus.

Im Wohnzimmer stand urplötzlich ein zweiter Feuerwehrmann, keine Ahnung wann der in meine Wohnung kam. Er winkte und riss das Fenster auf. Wir sollten ans Fenster und dort einatmen. Kaum am Fenster, wurde es wieder zugeworfen, Rauch und Flammen kamen von unten.

“Wir steigen hier raus! Ich habe eine Atemmaske dabei!”

Die kleinste von uns sollte sie bekommen, da waren wir uns alle einig. Das Fenster wurde wieder geöffnet und ich sagte dem Feuerwehrmann noch, dass nebenan meine Nachbarin ist, die muss noch mit!

Er drehte sich um und eilte davon. Meinem Wohnzimmerfenster näherte sich die Drehleiter und nach und nach stiegen wir ein. Ich stieg als letzte ein und hinter mir tauchte der Feuerwehrmann auf und klopfte mir auf die Schulter und sagte: “Ich hab die Omi!”, meine Nachbarin sah ich mit Atemmaske hinter ihm in meinem Wohnzimmer stehen.

Als sich die Drehleiter vom Fenster weg bewegte, blickte ich geschockt auf meine Hauswand. Ich erkannte das der erste Stock komplett ausgebrannt war und der zweite Stock bereits Feuer gefangen hatte. Dieser Anblick war mehr als schockierend! Aus der Höhe konnten wir über die gesamte Strasse blicken. Dort standen ein Feuerwehrauto nach dem anderen, in einer Ausfahrt stand ein Krankenwagen und zahlreiche Feuerwehrleute versuchten, den Brand zu löschen. Mir trieb es die Tränen in die Augen.

Unten angekommen brachte man uns sofort zu einem Krankenwagen, dort stand bereits eine andere Nachbarin, das Geburtstagskind sozusagen. Sie und ihr Freund hatten es noch durchs Treppenhaus geschafft. Der andere Nachbar hatte es ebenfalls mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen herausgeschafft.

Es dauerte nicht lange, da erschien auch meine Nachbarin wohlbehalten. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den nächsten Minuten nach meinem Namen gefragt wurde. Die Kids wurden sofort in einen Krankenwagen gesetzt.

Nach kurzer Zeit wurden wir ebenfalls in Krankenwagen gesetzt und in verschiedene Krankenhäuser gebracht. Dort folgten zahlreiche Untersuchungen, Blutabnahme, Sauerstoff-irgendwas-Test, Infusion etc.

Die Bestätigung über den Tod meiner Nachbarin aus dem ersten Stock (der Brandwohnung) erhielten wir im Krankenhaus.

Fazit: Wir Erwachsene (jeder von uns mit einem Kind in einem anderen Krankenhaus, wie absurd bin ich doch nicht die mutter ) wurden nach den ganzen Untersuchungen “entlassen”. Die Kleinste musste länger bleiben und den Älteren durften wir gegen Mittag mit nehmen :-) Beiden geht es gut.

Die Wohnung ist nicht mehr zu gebrauchen. Die Fenster sind gesprungen, der Rauch hat sich über mein Inventar hergemacht und es ist jetzt nicht mehr zu gebrauchen. Ich habe mich von meinen Möbeln, meinen Büchern, meinen Cd`s – sprich einfach von allem zu trennen. Die Küche und das Schlafzimmer kommen ebenfalls raus.

Ach ja eine Hausratversicherung habe ich sowie ein weiterer Nachbar (Familie mit 2 Kids) nicht. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Das Haus ist momentan nicht bewohnbar und man darf nur mit Mund- und Nasenschutz rein. Lange sollte sich momentan niemand im Haus aufhalten….

Was soll ich sagen @nbranx. Jeder verarbeitet solche Ereignisse auf andere Art und Weise. Vielleicht ist es Klischee zu schreiben, dass diese Nacht meine Sicht der Dinge verändert hat. Nicht komplett in jeder Hinsicht natürlich, aber grundlegend. Diese Nacht ist wie schwarzes Rauschen in  meinem Kopf, ich kann mich an Geräusche, Sätze, Bilder erinnern. Aber es fliegt alles vorbei, bleibt nicht hängen, ist kaum fassbar, es kommt mir alles vor, wie ein schlechter Traum. Im Grunde war mir die ganze Zeit klar, dass wir gesund rauskommen. Ich kann nicht sagen, weshalb?! Es war einfach so. Deine bestimmte Art, ruhig, besonnen, klar, direkt hat mir geholfen, das vermutlich Richtige zu tun. Für mich warst Du in den ganzen Minuten der reinen Aktion, Sachen zusammenraffen, die Kids bestimmt ins Bad zu schieben, sie anzuweisen, sich anzuziehen, Jacken im Vorbeigehen vom Haken zu reissen, beruhigen, Mut zusprechen, Fenster, Hausflur checken eine total Sicherheit einflössende Komponente. Für mich warst Du die Heldin der Stunde, ebenso für die Kids. Auch wenn Du es nicht gern hörst, es hat etwas für mich verändert beziehungsweise bestätigt. Auf Dich ist Verlass. Und das ist eine absolut einmalige Erkenntnis für mich.

Benerkenswert …. mein Blick auf der Drehleiter galt nur nach vorn, dem nächsten Schritt in Richtung Luft, Sauerstoff, weg vom Haus. Nie und nur für eine Sekunde wollte ich zurückschauen, mir das Inferno anschauen. Die Kleine stand regungslos mit Maske neben mir, ich war voll auf sie konzentriert, dass sie nicht runterfällt, dass sie keine Angst hat, dass sie weiß, ich bin da. Der Große hat jede Minute und Jedem – völlig unter Schock – erzählt, dass er Feuerwehrmann werden will. Es war für mich – und das ist vielleicht das ehrlich schockierende daran – eine völlig faszinierende Erfahrung gewesen, ich habe das Gefühl gehabt, dass wir einfach eine tolle Familie sind, dass uns nichts auseinander bringen kann, nichts Größer ist als dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, dieses Gefühl des füreinander Daseins.

Eine Woche später…Arbeitskollegen wurde ausgiebig von dem Ereignis berichtet, Hergang beschrieben, Aktionen, Reaktionen geschildert. Es wurde betreten geschaut, Anteil genommen, von mir Rauchmelder ans Herz gelegt und Mahnungen ausgesprochen. Und immer die Gewissheit, wir haben es geschafft, kein Trauma, kein Abgrund, der sich auftut. ———- Dann der Einbruch, bei Dir  beim Autofahren, beim Duschen, beim Wohnungsinventar sichten – bei mir beim Musik hören, beim Frühstück machen, unterwegs.

Seit einer Woche wohnst Du nun bei uns…nichts Ungewöhnliches, schließlich sehen wir uns eh fast jeden Tag und dennoch hat diese Wohngemeinschaft nun eine ganze andere Qualität. Pathetisch könnte man sagen, wir sind nun eine Schicksalsgemeinschaft und genau so fühlt es sich für mich an. Nicht schlimm, auch nicht beängstigend, eher beruhigend in der Gewissheit, dass uns unfachmännisch schlecht geschlossene Zahnpastatuben, quer durchs ZImmer gespannte Ladekabel von Deinem Macbook, plötzlich entstandene Wäschewaschzwänge zur Trauma-Brandgeruch-Bearbeitung, motzige Kinder, die auch den Schreck noch verarbeiten, 6-Uhr-Weckorgien und mies gelaunte Mitbewohner nicht wirklich belasten. Es ist alles halb so schlimm, ertragbar.

Danke, dass Du mich an Deinen Gedanken teilhaben lässt, mich in Deine Trauer einbeziehst, in Deine Sorgen, Ängste, Nöte. Ich empfinde es als große, menschliche Bereicherung, was wir durchgemacht haben und durchmachen. Es ist schlimm, es war schlimm und in Erinnerung wird es immer schlimm sein. Aber unter all dem Schutt ist etwas gewachsen in dieser einen Woche, so etwas wie ein kleiner, zäher, widerstandsfähiger Löwenzahn, der sich durch den ganzen Staub, Dreck und Russ hervorgearbeitet hat. Er reckt seinen gelben, vollen, wunderschönen Kopf durch die Pflastersteine und steht wie eine Eins. Das ist mein Gefühl für uns 4 jetzt und nur das JETZT sollte für uns zählen. So sehe ich das….

Mutig voran

Gesicht in den Wind

Weil wir die Helden des (All)tags sind!



 
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Geschrieben von - 03 in Kurzgeschichten

 

Verrat für den einen – Neugier für den anderen

2007 erschien ein Hörbuch, welches sich aus unerklärbaren Gründen auch in meiner Bibliothek wieder findet. Der Witz an der Sache, die Printausgabe steht ebenfalls in meinem Bücherregal – wahrscheinlich auch seit 2007.

Woher und weshalb sich dieses Buch, sowohl virtuell auf meiner Festplatte als auch als gedrucktes Buch in meinem Regal findet, weiß der Geier. Wie es überhaupt Einlass in meine Wohnung fand ist mir bis dato schleierhaft.

Fangen wir mit der Buchausgabe an: Gelesen habe ich – ganz ehrlich – 42 Seiten.

Rein aus Neugierde habe ich eben mal bei amazon geschaut wie viel Seiten dieses Büchlein denn insgesamt hat und dabei stellte ich fest das dass Buch bereits 1992 erschienen ist. Wow! Nun gut – Seitenzahl insgesamt übrigens 192.

Anhand der von mir gelesenen Seiten ist bereits erkennbar, dass der Inhalt offensichtlich zu damaligen Zeiten nicht wirklich mein Interesse angeregt hat.

Ich kann mich erinnern, dass es sich gut lesen ließ, verständlich war und durchaus zu weiteren Gedanken angeregt hat. Nunja – mehr kann ich auch nicht darüber sagen. Es wird schon einen Grund gehabt haben warum ich genau dieses Buch nie weiter und vor allem zu Ende gelesen habe.

Das Hörbuch: Gehört habe ich glaube ich auch nicht mehr als 42 Seiten, wenn nicht weniger. In Minuten würde ich jetzt mal sagen – gefühlte höchstens, aber wirklich höchstens 40 Minuten. Auch hier muss ich betonen dass es nicht schlecht gesprochen war. Der Sprecher ist mir zwar bis heute unbekannt, jedoch habe ich nicht`s negatives in Erinnerung bezüglich Vorlesequalitäten etc. Auch hier kann ich keinen Grund nennen weshalb das Hörbuch kein anständiges Ende in meinen Ohren fand.

Von welchem Buch bzw. Hörbuch spreche ich  hier nun? Und was soll das Ganze denn jetzt hier?

Also: Erstmal zur Frage was das Ganze hier jetzt soll. MITTEILUNG – Ganz einfach!

Morgen (Samstag) werde ich einen freien Tag opfern um an einem Seminar teilzunehmen. Der Sinn und Zweck der Teilnahme an diesem Seminar erschließt sich mir, von der Logik her, selbstverständlich. Jedoch habe ich einen kleinen roten Teufel auf meiner Schulter sitzen der fragend mit seinem Dreizack wedelt. Dieser kleine rote Teufel versteht momentan, meine und seine Welt, nicht mehr.

Ganz freiwillig und ohne jeglichen Zwang, bestückt mit sehr viel Neugierde und einer gehörigen Portion Skepsis, habe ich mich einfach mal eben so zu diesem kommenden Seminar angemeldet. Ja? Ihr ahnt es bereits?

Richtig! Das Seminar, das Buch und natürlich auch das Hörbuch handeln von ein und demselben Thema.

Kurz: Der Name des Buches lautet:

Endlich Nichtraucher, Autor ist Allen Care.

Ich traue es mich fast gar nicht aussprechen, aber ich besuche tatsächlich morgen eine Veranstaltung welche genau auf diese Methode von Allen Care aufbaut. Mein Gott!

Um hier schnell noch eines klar zu stellen, ich gehöre schon seit längerer Zeit nicht mehr den Kettenrauchern an, auch flippe ich nicht aus wenn ich längere Zeit keine Zigarette bekomme. Meine «Tagesdosis« beläuft sich maximal auf 6-10 Zigaretten und ich geraucht wird zuhause nur in der Küche. Auch finde ich es nicht schlimm einen Laden zum rauchen zu verlassen, zugegeben im Winter grenzt das teilweise schon leicht an Folter. Falls der Eindruck gerade entsteht ich wolle mich irgendwie verteidigen oder gar meinen Zigarettenkonsum entschuldigen, so ist das falsch. Ich rauche gerne.

Naja Stopp, kann man das so sagen? Ich rauche gern? Ich höre gern ein Hörbuch ja, auch lese ich gern, hm also vergleichbar mit einer Zigarette ist das jetzt nicht. Streicht den Satz ich rauche gerne. Denkt Euch was anderes dafür aus, mir fällt nämlich ehrlich gesagt kein Grund ein warum ich rauche. Ist das bereits eine Erkenntnis?

Wie dem auch sei. Ich werde diese Veranstaltung also morgen besuchen und keine große Erwartung daran haben. Ich bin gespannt wie mir eine Person, allein mit Worten suggeriert, nicht mehr zu rauchen. Jegliches Verlangen würde abgesprochen sein – alles ganz einfach. Aha so so also.

Morgen früh um 10 Uhr werde ich also mit einigen Arbeitskollegen in einem Saal sitzen und beobachten welche «Zaubertricks« angewandt werden – oder auch nicht. Zigaretten sind ausdrücklich erwünscht. Raucherpausen gibt es demzufolge. Speisen und Getränke müssen selbst mitgenommen werden.

Warum ich jetzt also dahin gehe? Nun ich weiß es nicht und der kleine rote Teufel auf meiner Schulter sitzt da immer noch, allerdings sagt er nichts weiter dazu, er scheint genauso sprachlos zu sein wie ich es seit einer Woche bin. Wir wissen beide nicht recht wer uns auf diese Teilnehmerliste gesetzt hat und irgendwie, und das ist das komische daran, finden wir beide es nicht wirklich schlimm dort hin zu gehen.

Mein Ziel ist es nicht als Nichtraucher um 16 Uhr durch die Tür zu gehen und meinen Tabak zu entsorgen. Ich bin neugierig und gespannt was kommt. Was ist wenn ich tatsächlich plötzlich nicht mehr rauche? Hm darüber hab ich auch noch nicht nach gedacht .

Kommt wie kommt, is wie is…. ich wollte es nur mal eben so mitteilen, warum weiß ich auch nicht…

In diesem Sinne, ich mache jetzt Feierabend und werde schnell noch eine rauchen oder auch nicht, mal sehen….

Zum Buch Zum Hörbuch

 
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Geschrieben von - 02 in Kurzgeschichten

 

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und schwupps gab es nen Podcast…..

Gute Nachrichten liest man besonders gern!

Aufmerksam gemacht von @tanteschmitt folgte ich ihrem Link auf ihre frisch gepostete Geschichte auf goodnewstoday.de. Gutes erlebt. Erzählt doch mal.

Schnell postete ich meine aktuelle Kurzgeschichte “Beeeeeetle und die Buchseiten in Thailand” und war äußerst überrascht über die schnelle Freischaltung des Artikels. Als dann nach einigen Stunden noch der Hinweis von Raoul dem goodnewstoday.de Seitenbetreiber bezüglich der Bereitstellung meiner Geschichte als Podcast erfolgte, war ich komplett sprachlos.

Sofort hörte ich mir das gesprochene Werk von Raoul an und war begeistert! Vielen lieben Dank hierfür! Eine wirklich tolle Sache! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Die Geschichte hat also eine Stimme gefunden :-) Großes Lob!

Die vertonte Geschichte kann auf goodnewstoday.de gelesen und angehört werden und selbstverständlich auf itunes kostenlos aboniert werden.

Vielen Dank für die tolle Idee!

goodnewstoday.de

goodnewstoday.de

 
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Geschrieben von - 06 in kostenlos, Kurzgeschichten

 

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Beeeeeetle und die Buchseiten in Thailand

Neulich – kurz vor einem Meeting. Ich saß mit meinem Chef im Büro und wir warteten auf die anderen Teilnehmer. Ich weiß nicht mehr wie wir genau auf das Thema kamen, jedenfalls erzählte ich von meinem Aufenthalt in Thailand.

Vor vielen vielen Jahren verbrachte ich knapp zwei Monate auf einer fast einsamen Insel und während meines Urlaubs ging mir dann, wie sollte es auch anders sein, der Lesestoff aus. Damals gab es noch keinen Ipod und auch sonst keine Dinge, welche einem erlaubten 100te von Hörbüchern bzw. Büchern in einem einzigen Gerät zu transportieren.

Ich saß also auf „meiner Insel“ und kam mit meiner Bungalow Nachbarin ins Gespräch.

Sie lebte seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann auf der Insel, fernab vom Alltagsstreß und frei von irgendwelchen Verpflichtungen. Beide gaben ihr „vergangenes“ Leben in Deutschland, mehr oder weniger aus einer Bierlaune heraus, einfach auf und verbrachten wie schon erwähnt, seit einigen Jahren ihr Leben auf der Insel. Zu ihrem persönlichen Reich gehörte ein selbst gebautes Bungalow, welches einen kleineren, extra Anbau vorwies. Dieser „Zusatz“ beinhaltete wie sich im Laufe des Gespräches herausstellte ihre persönliche Bibliothek. Es verstand sich natürlich von selbst dass ich den beiden einen Besuch abstattete.

Ich fand mich also wie versprochen bei den beiden ein und wurde auch sofort stolz in die „Bibliothek“ geführt. In diesem Raum befanden sich hunderte von Büchern! Alles gespendet von Touris – wurde mir sofort erklärt. Zu finden war jedes und ich betone JEDES Genre – ich hätte weitere Monate auf der Insel verbringen können ohne dass mir je der Lesestoff  ausgegangen wäre.

Nach einiger Zeit des Stöberns entschied ich mich schließlich für ein Buch.

»Die geheime Geschichte von Donna Tarrt«

Das Buch wies zahlreiche Gebrauchspuren auf, Eselsohren schmückten die Seiten und die Buchdeckel waren mehr als abgegriffen – ein schönes altes Buch also. Kurz wurde ich noch bezüglich des Inhalts aufgeklärt und wurde dann mit den Glückwünschen zur gut getroffenen Auswahl ins Freie entlassen. Sofort machte ich mich ans lesen.

An die 570 Seiten lagen vor mir. Was ich auch machte, ich hatte dieses Buch immer bei mir. Ich lass sofort nach dem Aufstehen, beim Frühstück, irgendwo im Schatten sitzend, in der Hängematte oder auf dem großen Felsen direkt am Strand.  Das Buch fesselte mich von Anfang an. Eine wunderbare Geschichte – ein mörderischer College-Krimi – ähnlich wie »Der Club der toten Dichter« nur eben mörderischer. Unglaublich spannend und fesselnd!

Ich saß auf meiner Bungalowtreppe und blätterte die letzte Seite im Buch um, verschlang die letzten Sätze und war äußerst gespannt wie die Geschichte wohl endete.

Doch was war das?  Der letzte Satz des Buches endete mitten im Satz! In diesem Moment sprang ich entsetzt auf , zischte ein lautes »ach ne!« heraus und blickte völlig entsetzt auf das Buch in meiner Hand. Das konnte doch nicht sein – die eigentliche »richtige letzte Seite« des Buches  fehlte.  Ich war außer mir! Ich blickte zu meinem Nachbar-bungalow und sah wie mich die «Bibliothekarin der Insel« fragend anstarrte.

»Dagi da fehlt die letzte Seite in dem Buch – das kann jetzt nicht sein« rief ich zu ihr rüber. Sie winkte mich zu sich, stieg aus ihrer Hängematte und nahm das Buch in Empfang. Sie blätterte es durch und blickte überrascht auf die letzten Worte des Buches – die falschen letzten Worte des Buches.

Gewohnt entspannt und locker drehte sie sich zur Haustür, rief unerwartet laut und plötzlich ein langezogenes »Beeeeeeeeeetel« ins Haus und wartete. Ich stand fragend neben ihr. Aus dem Bungalow folgte ein schnelles kurzes »Ja«.

»Du Beeeeetle, hier in dem Buch – in der geheimen Geschichte – Du da fehlt die letzte Seite! Weißt Du da was von?« Ich blickte fragend zuerst meine Nachbarin an und dann in das Dunkle des Bungalows. Was war das für eine Frage? Welcher Mensch könnte schon etwas über den Verbleib einer letzten Seite eines Buches wissen? Kurzes Geraschel folgte aus dem Häuschen, deutlich konnte ich an der Rauchschwade erahnen in welchen Zustand sich Beeeeeetle offensichtlich befand und betete im Geheimen das mir einer der Beiden den Schluß des Buches offenbaren würden. »Beeeetle! Was ist denn nun?« rief die Nachbarin ungeduldig ins Haus. »Ja ja Moment« kam es zurück.

Sie schüttelte mit dem Kopf und murmelte irgendwas vor sich hin – zog noch einmal an ihrer Zigarette bevor sie die selbige in den Aschenbecher warf und ging zielstrebig in das Haus. Sie drehte sich noch einmal kurz zu mir um: »Warte hier! Das wär doch gelacht« Was auch immer sie meinte. Wo sollte ich auch hin? Das Buch ohne Ende in meiner Hand verfluchte ich einen Moment den Umstand, nicht eben mal schnell in den nächsten Buchladen gehen zu können um den Schluss des selbigen zu lesen. Nein stattdessen stand ich an der Treppe einer Veranda und blickte in das Dunkle.

Seltsame Geräusche kamen aus dem Bungalow. »Mensch Beeeeetle, ich hab schon hundertmal gesagt das mich das nervt« hörte ich sie innen wettern.  »Reg dich nicht auf Dagi, das haben wir gleich« antwortete ein entspannter Beeeeetle. Plötzlich traten beide aus dem Dunklen, in der Hand hielt Beeeeetle zahlreiche, verschiedene Buchseiten wie ich an der Farbe und am Format erkennen konnte. »Wie heißt die Geschichte noch mal?« fragte er mich. »Eine geheime Geschichte« lautete meine Antwort. »Welche Nummer hat die letzte Seite in dem Buch?« fragte er diesmal. Ich blickte in das Buch und nannte ihm die letzte Seitenzahl. Er nickte und raschelte wieder mit den Papieren und gab mir dann bis über beide Ohren grinsend eine lose Buchseite.

»Hier schnell lies!«

Ich blickte kurz auf die Seite erkannte das sie zu meinem Buch gehörte und lass im Stehen die Seite. Währenddessen herrschte absolute Stille. Ich drehte die Seite um, blickte dabei in die immer noch strahlenden Gesichter der beiden und lass dann endlich die ersehnten letzten Sätze des Buches.

Es war vollbracht! Der Schluss war mein!

»Tolles Buch oder? Hat`s Dir gefallen?« Ich nickte und bedankte mich für die unglaubliche Hilfe – was für ein Glück das ihr die Seite gefunden habt, stammelte ich.

»Ach Du das kommt öfters vor, wir haben hier keinen Tesa und deshalb sammeln wir einfach alle Seiten und so ein panisches Gesicht, wie Du es gerade gemacht hast, haben wir hier schon einpaar mal  gesehen, immer wieder erheiternd« verkündete Beeeetle und drehte sich dann – ohne eine Antwort von mir zu erwarten – um und ging zurück in die  Dunkelheit des Hauses……

 
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Geschrieben von - 06 in Kurzgeschichten

 

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Du hörst aber auch immer so ein Zeug…..

Spätabends: „Du, ich bin mir jetzt nicht mehr sicher ob ich das Autofenster zugemacht habe!“ „Hm, das weiß ich auch nicht – noch mal runtergehen und nachschauen?“

War ja klar, so was passierte nur mir, vorzugsweise mitten in der Nacht oder bei strömenden Regen und genau der kündigte sich bereits durch zahlreiche Blitze am nächtlichen Himmel an. Was tun? Aufstehen – Schuhe anziehen und nachsehen? Oder doch einfach auf der Couch bleiben und den Gedanken verdrängen?

Schwierig, in meinem Kopf sammelten sich bereits die ersten „Was ist wenn Gedanken“ Was ist wenn das Fenster noch offen ist und es gleich in dein Auto rein regnet? Kommt mir dann morgen beim Öffnen der Autotüre eine kleine Wasserflut entgegen? Was ist wenn jemand das Autoradio geklaut hat? Das will bestimmt keiner, antwortete ich mir im Geiste selbst. Oder was ist wenn Dir einer die Parklizenz klaut durch das offene Fenster, das KVR freut sich sicherlich über Deinen Anruf -  „Guten Tag hier ist xy, mir wurde meine Parklizenz aus dem Auto geklaut – ja ich weiß ich hab sie schon mal während des Fahrens mit offenen Fenster verloren, aber diesmal ist sie mir geklaut worden – Lachnummer vorprogrammiert!

Draußen blitzt es immer mehr am Himmel. Ich blicke aus dem Fenster und kann den baldigen Regen schon riechen. Gut gewonnen! Ich stehe also auf und gehe in den Gang und ziehe meine Schuhe an. „Hast Du meinen Schlüssel gesehen?“ frage ich in das Zimmer. „Ne“, kommt als hilfreiche Antwort zurück. Ich schüttle den Kopf und binde meine Schnürsenkel zusammen. Beim Aufstehen bleib ich mit dem Knie an meinem Ipodkabel hängen und reiße mir das selbige aus meinem Ohr. Mist aber auch – wie oft passiert mir das noch? „Ich geh dann mal runter“ „Hm“ brummte es aus dem Zimmer.

Ich öffnete die Wohnungstür und ging zum Lift. Die Treppenbeleuchtung in der Ecke flackerte. Kurz bevor ich auf den Knopf für den Aufzug drückte kam mir ein gruseliger Gedanke – Der Lift des Grauens…. Blödsinn! Ich drückte den Knopf und wartete. Ich gestehe dieser Lift ist mir schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge, genauer gesagt seit er sich mal verselbstständigte und mit mir als Passagier meine Stockwerkwahl komplett ignorierte und mich, ebenfalls zur späten Stunde, in den tiefsten Keller beförderte und meinen dringenden Wunsch zur Weiterfahrt komplett ignorierte. Da stand ich also damals und blickte in ein dunkles Loch. Selbstverständlich hatte ich, wie so oft, den Ipod im Ohr und zu diesem Zeitpunkt lief gerade das Hörbuch LEVEL26. Nicht schön so was!

Ich betätigte den Aufzugknopf und konzentrierte mich auf den Sprecher meines Hörbuches. Mit dem einem Ohr hörte ich die Stimme von Simon Jäger wie er gerade vom Augensammler sprach und mit dem anderen Ohr nahm ich die knarrenden Bewegungen des nahenden Aufzugs war. Die Geräusche klangen nicht wirklich vertrauensfördernd und gerade als ich darüber nachdachte ob ich nicht besser zu Fuß gehen sollte, öffnete sich die Tür des Aufzuges.  Was soll`s – ich stieg also ein und drückte auf E.

Sekundenspäter bewegte sich mit lautem Gequietsche die Lifttür und bevor sie sich komplett schloss, versank das Stockwerk in der Dunkelheit. Schlagartig stellten sich mir die Armhaare auf! Der Lift bewegte sich in diesem Moment abwärts. Wohl war mir dabei nicht.  Das Geräusch welches der Aufzug während der Fahrt von sich gab wirkte alles andere als beruhigend auf mich.  Ich schüttelte den Kopf und atmete tief durch.

Auf dem Display im Lift verfolgte ich die vorbeiziehenden Stockwerkzahlen.

4…….. – 3…….. – 2…… -1…….. ein spürbarer Ruck folgte und auf dem Display erschien der Buchstabe E. Ich nahm einen meiner Stöpsel aus dem Ohr.  Die Tür schob sich langsam auf und ich spähte während ich einen Schritt nach vorne ging, hinaus. Licht schien mir entgegen. Welch Freude doch Licht auslösen kann! Ich trat entspannt aus dem Lift und ging zur Eingangstür. Ich wählte bewusst den Eingang zur Hauptstrasse, der Gang über den wahrscheinlich stockdunklen Hof wäre mit Sicherheit nichts für meine, eh schon angespannten Nerven.

Als ich aus dem Haus war, hielt ich mich links und ging den leeren Bürgersteig entlang. Wenige Meter vor mir sah ich auch schon mein Auto in der Parklücke. Kein Mensch auf der Straße um diese Zeit .

Fortsetzung folgt…

 
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Geschrieben von - 06 in Kurzgeschichten

 

Teil 2 von Hendlknochen und Kleisterfinger

Fortsetzung…

Meine Mutter war immer noch völlig aufgeregt und irgendwie durch den Wind. Sie nannte eine Uhrzeit, verbesserte sich dann wieder, stammelte irgendwas vom vorher essen und schließlich meinte sie, sie würde mich morgen noch mal anrufen. Jetzt weiß sie grad nicht wann wir losfahren und sie muss überlegen wie wir das mit dem Essen machen. Meine Mutter – völlig durch den Wind und trotzdem versucht zu planen.

Wir beendeten das Gespräch mit der Absicht morgen genauer zu planen, jetzt sollten sie erstmal wieder einen klaren Kopf bekommen. Mein Vater würde ebenfalls völlig aufgeregt durch die Wohnung laufen, berichtete sie noch schnell. Das konnte ich mir bildlich vorstellen. Wie zwei aufgeschreckte Hühner würden meine zwei ziellos durch die Wohnung laufen.

Nach dem Gespräch stand ich einfach nur im Zimmer, hielt mein Handy in der Hand und blickte zum Fenster. Wie wird es ihm wohl gehen, wie wird er wohl jetzt aussehen? Fragen über Fragen und tausend Gedanken schossen in meinen Kopf. Geht es ihm besser? Es geht ihm bestimmt besser antwortete ich mir selbst, immerhin hat er uns eingeladen. All die Monate zuvor wollte und konnte er niemanden sehen. Er hat es nicht ertragen und auch hatte er keine Kraft andere Menschen zu sehen. Die einzige Ausnahme war seine Frau und seine beiden Kinder.

Meine Gedanken kreisten weiter wild in meinem Kopf umher und ich merkte plötzlich wie sich ein Lächeln auf meine Lippen schlich. Ich hatte ein ganz besonderes Bild vor Augen: Ich war acht oder neun und stand in der Wohnung meines Onkels. Alle Familienmitglieder waren anwesend und jeder war schwer damit beschäftigt beim tapezieren zu helfen. Ich kann meinen Vater auf der Leiter stehend sehen, meinen Onkel wie er gerade mit dem Tapezierpinsel die Tapete einkleistert und mein  Cousin der meinem Onkel immer einen, frisch in den Kleister getauchten Pinsel reichte. Der andere größere Cousin hielt die Leiter fest auf der mein Vater stand. Alle waren beschäftigt. Ich stand im Gang, ebenfalls mit einem Pinsel in der Hand und beklebte meine Hose mit kleinen Tapezierresten.

Meine Mutter ging gerade an mir vorbei in Richtung Badezimmer. Meine Tante trat aus der Küche und ging über den Flur in das Arbeitszimmer. Ich weiß noch wie ich mich plötzlich umdrehte und in die Küche geschaut hatte, ich weiß noch genau das ich urplötzlich einen Duft in der Nase hatte, einen Duft der unwiderstehlich für mich war. Es roch nach frisch gegrilltem Hendl und ich schlich mich in die Küche und blickte in den Ofen. Dort sah ich ewig viele Hendl auf dem Spieß drehenderweise hängen.

Meine Mama kam zurück in die Küche und strich mir über den Kopf. „Magst du mir beim Herausnehmen helfen“ fragte sie mich. Klar wollte ich, wusste ich doch dass ich dann die Chance hatte sofort etwas zu probieren. Wir hoben die Hendl aus dem Ofen und streiften sie vom Grillstab. Meine Tante kam ebenfalls in die Küche zurück und teilte die Hendl in einzelne Stücke und platzierte sie dekorativ auf eine große Platte. Ich wurde nach nebenan geschickt um alle anderen zum essen zu holen.

Mein Vater stand gerade mit einer neuen Tapete auf der Leiter und mein Onkel hielt sie ihm an die Wand. „Wir kommen gleich – nur noch die hier.“ Ich ging zurück in die Küche und setzte mich strahlend an den Tisch. Meine beiden Cousins saßen ebenfalls Sekunden später am Tisch. Allerdings wurde sie noch mal ins Bad zum Händewaschen geschickt.

Mir wurde mein Lieblingsstück vom Hendl auf dem Teller gelegt und ich trennte heimlich still und leise den Flügel ab und schob ihn mir sofort in den Mund. Natürlich wollte ich nicht erwischt werden dass ich schon vorher angefangen habe ohne auf die anderen zu warten, jedoch musste ich dieses Stück sofort haben J Schnell, ohne wirklich viel zu kauen, schluckte ich das Stückchen inklusive Knochen herunter. Und genau das war Sekunden später mein Problem.

Ein Stück vom Knochen steckte in meiner Speiseröhre fest und wollte einfach nicht herunter rutschen, ich fing an zu husten und meine Mutter stand augenblicklich neben mir und klopfte mir auf die Schulter. Ich hustete weiter – mittlerweile stärker und heftiger. Ein Glas Wasser wurde mir gereicht das ich auch sofort austrank, doch auch das half nichts, meine Mutter schrie nach meinem Vater und er versuchte den Knochen mit dem typischen Griff heraus zu bekommen. Keine Chance – mir blieb langsam die Luft weg. Ich wurde geschüttelt, gerüttelt jedoch all die Versuche halfen nichts.

Meine Lippen wechselten schon die Farbe und ich weiß dass es ein schreckliches Gefühl war und ich langsam panisch wurde. Mein Onkel stand urplötzlich auch neben mir, drückte mich an sich und schrie mich im selben Moment an ich solle schnell den Mund ganz weit auf machen. Ich folgte sofort. Er griff mir mit seiner voll mit Kleister verschmierten und verklebten Hand in den Mund und  ich spürte wie seine Finger in meinen Hals rutschten. Es ging unglaublich schnell, ich würgte und im selben Moment zog mein Onkel seine Hand aus meinem Mund und hatte den Stück Knochen zwischen den Fingern, welcher mir bis eben gerade noch die Luft raubte.

Luft! Endlich wieder Luft! Ich würgte noch einwenig, bekam noch ein Glas Wasser gereicht und die Farbe in meinem Gesicht normalisierte sich langsam wieder. Mein Onkel war der erste der für Witze bereit war. Er lachte laut und hob seine Hand und meinte „Ha Ha schau mal jetzt ist der ganze Kleber weg, jetzt muss ich nicht mal mehr Hände waschen.“ Klar war der Kleber weg, hatte ich ihn ja auch in meinem Mund!

Alle lachten und mein Onkel und ich gingen ins Bad, er wusch sich die Hände und ich wischte mir das klebrige Gesicht und gurgelte wie wild mir Wasser. Trotz allem war es sehr lustig und dieser Tag, so schlimm wie er auch hätte ausgehen können, brannte sich als einer der tollsten und lustigsten Tage in meine Erinnerungen. Mein Onkel wurde feierlich zum Lieblingsonkel erklärt, was er ohnehin bereits für mich war.

Fortsetzung…


 
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Hendlknochen und Kleisterfinger

15 vor zwölf, 31. Dezember 2009

Zu sechst machen wir uns auf den Weg.

Auf meiner Uhr ist es genau 23:59 Uhr. Ich blicke auf mein Handy und um mich herum herrscht der totale Trubel. Hunderte von Menschen sind vor, auf und hinter der Brücke versammelt und warten auf das neue Jahr.

Raketen, Kracher und Böller wurden bereits Stunden vorher gezündet und in wenigen Sekunden wird der Himmel gleich bunt erleuchtet sein. Ich schau noch mal auf die Uhr und wie es der Zufall will, sehe ich wie sich die Zeitanzeige meines Handys auf genau 00:00 Uhr umschaltet. Happy New Year wünsche ich mir still selbst.

„Und?“

„Ich habe genau 00:00 Uhr!“

„Echt?“

„Ja!“

„Ja dann!“

Ich werde umarmt, gedrückt, geherzt und geküsst. Ich umarme, drücke, herze und küsse zurück.

Um mich herum fallen sich hunderte von Leuten in die Arme. Jeder von ihnen zu einer anderen Zeit. Der eine wenige Sekunden vor uns, die anderen wenige oder gar einige Sekunden nach uns. Einheitliche Uhrzeit spielt hier keine Rolle. Hauptsache ist, die anwesenden Lieben werden gedrückt und gut ins neue Jahr gewünscht.

Die Brücke erstrahlt leuchtend in der Dunkelheit, am Himmel erscheinen die schönsten Muster und der Verkehr ist jetzt erstmal lahmgelegt.

Fremde Menschen fallen sich in die Arme, heben Ihre mitgebrachten Gläser, Becher und Flaschen und prosten sich, freudestrahlend zu. Beglückwünschen sich gegenseitig und für einen Moment gibt es nichts anderes auf der Welt, außer den Glückwünschen, die allgemeine Heiterkeit und die damit verbundene Freude. Ein schöner Moment, den ich im Kreise meiner Lieben sehr genieße.

0:01 ich drücke und wünsche immer noch – grad schön ist es. Das Feuerwerk um mich herum ist so atemberaubend, dass ich den Blick nicht nach unten senken kann und will.

Die Lautstärke der Kracher, Böller und Raketen singt nach wie vor in meinen Ohren.

Diesen Augenblick mag ich jedes Jahr aufs Neue. Ich blicke um mich und schau dem Trubel zu, ich kann sehen wie die Leute sich immer noch umarmen und gegenseitig zu prosten. Viele greifen zu Ihren Handys und brüllen ihrem Gesprächspartner Glückwünsche in die Ohren.

Auch ich nehme mein Handy aus meiner Jackentasche und wähle eine Nummer.

„Wir sind bei uns, für den Fall das du uns suchst.“ Diesen Satz höre ich gerade in meinem Kopf. Eine Stimme aus meinem Handy teilt mir mit, dass ich mich in der Homezone befinde. Gleich darauf ertönt ein Freizeichen. Ein weiteres Tonsignal erklingt. Nach weiter 4 Klingeltönen lege ich auf und tippe auf mein Telefonbuch. Ich wähle die andere Nummer. Direkt nach der Homezone Ansage, bin ich mit meiner Mutter verbunden.

Sie klingt atemlos und gutgelaunt. „Wir  sind nicht gleich ans andere Telefon gekommen wir sind im anderen Zimmer.“ Im selben Atemzug wünschen wir uns zeitgleich ein gutes Neues Jahr. Ich erfahre, dass sie sich alle das Feuerwerk ansehen und restlos begeistert sind. Ihr Abend bisher sehr gemütlich und entspannt sei und sie alle viel Spaß haben. Das freut mich. Ich berichte noch wo und mit wem ich alles unterwegs bin und sie ließ an alle Beteiligten herzliche Grüße ausrichten. Wir verabschieden uns nach einigen Minuten, sagten noch wie lieb wir uns haben und sie reichte dann den Hörer weiter an meinen Vater.

Die Verbindung wurde schlechter und so beginnt das Gespräch erstmal mit einem suchenden Hallo. Ich sage ihm dass er bitte da stehen bleiben soll wo meine Mama gerade mit mir telefoniert hat, dort ist offensichtlich die bessere Verbindung. Entweder blieb er wirklich brav an der Stelle stehen oder die Verbindung verbesserte sich, wie dem auch sei.

Wir wünschten uns beide ein schönes neues Jahr, auf das es nicht so stressig wird wie das vergangene. Es war ein komischer Augenblick. Ich konnte hören wie die Stimme meines Vaters belegt klang, er sagte mir zum wiederholten Male, dass er mir ein ganz tolles neues Jahr wünscht, ein Jahr das beruflich etwas besser wird und das ich glücklich sein soll. Er wünschte mir nochmals viele neue Kunden und sagt dann mit einer Stimme, die wie mittlerweile meine eigene ziemlich belegt ist, dass er mich sehr liebt. Gerade als ich dass selbe zu ihm sagen will, steigen mir die Tränen in die Augen und ich kann spüren wie eine erste Träne meine Backe runterkullert. Ich kann nichts dagegen machen, ich schlucke und bringe gerade noch meine Worte heraus, schlucke ein paar Mal und bin irgendwie überglücklich.

Ich räusperte mich erneut und in diesem Augenblick hatte ich einen Menschen und einen Gedanken in meinem Kopf. Ich hörte meinen Vater ebenfalls sich räuspern und dann sprach er genau das aus was gerade in meinem Kopf aufgetaucht ist. „Ich hoffe das es meinem Bruder gut geht“ hörte ich ihn leise ins Telefon sagen. Leise sprach er weiter „Ich würde ihn gern anrufen, doch weiß ich nicht was ich sagen soll, ihm ein gutes neues Jahr zu wünschen klingt irgendwie seltsam“. Ich verstehe was er mir damit sagen möchte und ich antwortete mit belegter Stimme „ Ruf ihn trotzdem an, sag ihm das wir an ihn denken, darüber wird er sich freuen, auch wenn er weiß dass das neue Jahr vielleicht nicht das Beste für ihn wird“. Es fällt uns beiden schwer Worte zu finden, mein Vater bricht als erster die aufgetretene Stille und gibt mir recht. „Ich werde ihn von dir grüssen“ flüstert er fast unhörbar. „Ja mach das Papa, das wäre schön“

Als ich kurze Zeit später mein Handy wieder in die Jackentasche stecke, spürte ich deutlich die aufkommenden Tränen in meinen Augen. Ich stand etwas abseits und schaute nach oben. Das Feuerwerk erstrahlte immer noch in den tollsten Farben am Himmel. Ich sah weit oben eine chinesische Lampe schweben und schließlich schickte ich still einen Gruß mit auf ihre Reise. „ Ich wünsche dir ein gutes neues Jahr.“

Die Träne die dabei heimlich aus meinem Auge kullerte wischte ich langsam weg, atmete mehrmals tief durch und genoss den Augenblick mit mir allein in mitten all der Menschen.

11. März 2010 – das Telefon klingelte.

Meine Mutter war am Apparat und klang aufgeregt. Es sprüdelte im selben Moment aus ihr heraus: „Du stell dir vor wer uns angerufen hat und uns gefragt hat ob wir vorbei kommen möchten!“ Sofort war mir klar von wem sie sprach. „Also wir sollen, wenn wir Lust und Zeit haben am Sonntag vorbei kommen, wir haben ihm gesagt das du bei uns bist und ob wir dich mitnehmen können oder ob es ihm vielleicht dann zuviel wird, er hat sofort gesagt dass du mitfahren sollst – also kommst du mit?“

Ich musste nicht überlegen. „Natürlich komme ich mit! Wann soll ich bei Euch sein?“

Fortsetzung folgt…

 
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Teil VII Trigger, der Fenstermensch und ein schneller Aufbruch

Fortsetzung…

Hier drehte er etwas länger an der Schraube im Fensterrahmen, immer wieder öffnete er das Fenster und schloss es unmittelbar danach wieder. Er rüttelte ebenfalls am Griff und schüttelte zur Abwechslung mit dem Kopf. Er blickte mich an und fragte nach einer Leiter. Also eine große Leiter habe ich nicht in der Wohnung, eine kleinere Trittleiter könnte ich anbieten meinte ich zu ihm. Er nickte und ich ging los und holte die geforderte Trittleiter.

Er stieg schwerfällig auf die selbige und stellte dann fest dass er doch etwas zu weit vom Fenster entfernt war. Daraufhin stieg er wieder herunter, schob die Trittleiter näher ans Fenster und erkletterte erneut die kleine Leiter. Im oberen Eck des Fensterrahmens befand sich eine weitere, gut versteckte Schraube. Diese bearbeitete er mit seinem Schlüssel, während er abermals mit dem Kopf schüttelte.

In meinem Kopf hörte ich schon seine Stimme sagen, dass dieses Fenster nicht zu reparieren ist und die schlimmsten Horrorszenarien spielten sich in meinen Gedanken ab. Fensterausbau – und das bei minus Graden. Ein Traum im Winter!

Ich nippte an meinen Kaffee und beobachtete den Fenstermenschen in der Höhe. Nach einigen Minuten kraxelte er die zwei Treppen mit hochrotem Kopf und Schweißperlen auf der Stirn herunter. „Gut dann hören wir mal wieder“, grinste er mich an. Ich wusste was jetzt kam. Natürlich forderte er mich auf näher zu kommen und am Fensterrahmen zu lauschen und natürlich tat ich, wie mir geheißen. Ich konnte nichts hören und auch keinen Luftzug an meiner, unauffällig am Fensterbrett abgelegten Hand verspüren. „Passt doch alles oder?“, fragte ich. Der Handwerker strahlte über das ganze Gesicht und war sichtlich stolz über sein Werk. Er schob die Trittleiter zur Seite und  klärte mich darüber auf das die Silikondichtung am unteren Rand erneuert werden muss.

Kaum hatte er es ausgesprochen bewegte er sich Richtung Wohnzimmertür. Im Gehen teilte er mir noch mit, dass er in seinem Werkzeugkasten bestimmt eine Silikonpistole haben würde. Ich blickte ihm schweigend hinterher. Während ich ebenfalls zur Wohnzimmertür ging hörte ich bereits aus dem Gang einen schnaufenden, am Boden knienden Handwerker der in seinem Werkzeugkasten stöberte.

„Ja also ich habe die Pistole nicht im Kasten, ich gehe eben mal runter und hole sie aus dem Auto“, sagte er und stand mühsam auf. „Ist es denn zwingend notwendig das Silikon auszutauschen?“ fragte ich. Die Vorstellung dass er ein weiteres Mal die Treppen rauf und runter musste widerstrebte mir irgendwie. Ich sah ihn schon schwer atmend im Treppenhaus sitzend.

„Ich habe das alte Silikon bereits entfernt, also bleibt uns keine andere Wahl es zu erneuern“ erwiderte er schlau. „Ich geh eben mal runter, bin gleich wieder da.“

Na gut wenn er meint, wann hat er denn das Silikon entfernt fragte ich mich in Gedanken. Irgendwie ist er ja schon ein komischer Vogel der Fenstermensch.

Hätte ich gehen sollen und die Silikonpistole aus dem Auto nach oben bringen sollen?

Diese Überlegung gefiel mir allerdings nicht wirklich, nicht weil ich die Treppen rauf und runter musste, nein einen fremden Menschen ließ ich nicht gern allein in meiner Wohnung.

Ich drehte mich, entschlossen einen weiteren Kaffee einzuschenken um, als es just in diesem Moment wieder klingelte. Also drehte ich mich wieder zur Tür und öffnete sie. Der Fenstermensch stand diesmal bereits vor meiner oberen Haustür. Ich gebe zu ich bin kurz über seinen Anblick erschrocken. Zum wiederholten Male sah ich den Fenstermenschen mit hoch rotem Kopf und kleinen Schweißperlen auf der Stirn.

Ich ging ein Stückchen auf die Seite und gewährte ihm abermals Einlass in meine Wohnung. Die Silikonpistole hielt er in der Hand. „Wissen Sie heute brauche ich kein Fitness mehr“, witzelte er. „Das glaube ich gerne“, antwortete ich.

Er brachte das Silikon zwischen Fensterrahmen und Fensterbrett an und verstrich das überschüssige Material mit dem Finger. „Äh hätten Sie ein Zewa?“ Natürlich hatte ich ein Zewa, ich brachte es ihm sogleich. Als er fertig war und sich umdrehte, stolperte er fast über die Trittleiter. Etwas schusselig war er also auch der Fenstermensch.

In der Küche angekommen, blickte er sich um. „Sie haben ja eine schöne große Küche“, lobte er. „Diese Fenster taugen wirklich nichts, die muss man eigentlich immer wieder mal nach ziehen“, bemerkte er noch nebenbei. „Ach sie arbeiten auch zuhause?“ fragte er mit Blick auf mein Notebook. „Ja, ab und an kann ich von zuhause arbeiten und heute muss ich allerdings noch mal raus, die ein oder anderen Dinge abgeben im Büro“, erklärte ich. „Ja das ist schon eine feine Sache mit dem Internet heutzutage, das gab es früher nicht, ich kenn mich damit leider gar nicht aus, ich bin schon zu alt dafür“, meinte er. Ich schätze ihn zwischen Mitte, Ende 50, wenn ich da an meine Eltern denke die sind beide fit am PC und schrecken vor nichts zurück was das Internet betrifft. Ich erzählte ihm von meinen Eltern und das er es doch einfach mal probieren sollte, so schwer wäre es nicht und Spaß würde es ohnehin auch noch machen. Er zog die Augenbrauen hoch und schüttelte wieder mit dem Kopf. Er sei Handwerker und so ein PC wäre eine andere Welt.

Wie es der Zufall wollte, ertönte in diesem Moment ein Klingelton aus meinem Notebook. „Ja was is jetzt des?“, fragte er erschrocken. Ich erklärte ihm dass gerade ein Anruf reinkommt. „Ja wie nachad, aus dem Ding da?“, kam es mir bayrisch entgegen. Er blickte ungläubig auf mein MacBook. Ich drehte es zu mir und sah dass mich meine Mutter anrief. Ich zeigte auf den Bildschirm und sagte: „Meine Mutter ruft gerade an, wollen sie mal sehen wie das funktioniert?“ „Ja freili, des muas i seng“, kam es sofort zurück. In der Aufregung sprach der Fenstermensch also tiefstes bayrisch.

Ich nahm den Anruf meiner Mutter entgegen und erzählte gleich das wir einen Mithörer hätten. Dies gefiel meiner Mutter natürlich und sie meinte sofort ich sollte doch mal auf Video drücken damit sie was sieht. Der Fenstermensch blickte ungläubig auf dem Bildschirm. „Ja wie jetzt, ko ma da a was seng?“, fragte er neugierig. Ich klickte mit der Maus auf Video und erklärte ihm noch das in wenigen Sekunden, dort auf dem Bildschirm meine Mutter erscheinen wird und wir bei ihr auf dem Bildschirm sichtbar werden. Er schüttelte wieder mit dem Kopf. „Des is a Sach, wahnsinn sacha gibt’s“, brummte er vor sich her.

Als er meine Mutter auf dem Bildschirm sah, war er sichtlich baff. „Kreizdeifi, des is ja a richtiges Buidl, da sigt ma ja was da andre grad macht“, erkannte er richtig. Er winkte meiner Mutter zu und begrüßte sie höflich. Meine Mutter ihrerseits winkte ebenfalls und grüßte ebenso erfreut. „Des is a suba Gschicht, des dad mir a Spass machen, i glab ich muas ma a so was kaffa“, meinte er begeistert. Meine Mutter stimmte ihm zu und meinte es wäre gar nicht schwer und sehr einfach zu erlernen. Während meine Mutter also die Vorteile eines Computers und dessen Nutzung aufzählte stand ich staunend daneben und beobachtete heimlich den Fenstermenschen wie er sichtlich begeistert zuhörte und ab und an bayrisch in den Bildschirm sprach. Es hatte ein klein wenig was von einer kaberettistischen Darbietung. Ich amüsierte mich prächtig.

„I dat erna wirklich no sackrisch gern länger zuhern, aber i glaub i muas mi jetzt a moi wieder um des letzte Fensta kimmern, sonst werd i heid nimmer fertig“, erwähnte er nach knapp 5 Minuten Gespräch mit meiner Mutter. Ich sah wie meine Mutter nickte und ihm noch einen schönen Tag wünschte und nochmals erwähnte wie einfach alles wäre und das es wirklich Spass bereiten würde. Sie verabschiedeten sich von einander und schließlich legte meine Mutter auf. Aha, und was wollte sie jetzt eigentlich von mir, fragte ich den bayrischen Handwerker. „Des woas i jetzt a ned, des hats wahrscheinlich vor lauter gschmarr selba vergessen“, kam als Antwort. Ich grinste und meinte dass ich sie eben nachher noch mal anrufen würde. „Des duast“, meinte er ebenfalls lächelnd. „Des gfeut ma scho, so a Bildschirmtelefon, des ist scho persönlicher als des andere“, stellte er fest. Er begann erneut darüber zu schwärmen, während er das Küchenfenster bearbeitete. Diesmal ging es ruck zuck. Einmal geöffnet, kurz fest geschraubt und schon wurde es wieder geschlossen. Diesmal musste ich nicht hören, lag wahrscheinlich daran dass er immer noch völlig aus dem Häuschen über den Anruf war. „So nachad, jetzt bin i fertig, oder ham ma no irgendwo a Fenster“, fragte er schließlich. Diesmal schüttelte ich mit dem Kopf. Das waren alle Fenster bestätigte ich.

„Guad, dann laf i moi oabi und hol den Auftrag, den muassaten sie mir no unterschreibn, damit die Hausverwaltung a sigt das i da war“, erklärte er mir während er seine Sachen zusammen packte. „Sie müssen noch mal runter?“, fragte ich ungläubig. „Ja scho i hab den Auftrag vorhind im Auto vergessen, heid is irgendwie ned mei Dag“, klärte er mich auf. Ich bot ihm an mit runter zu kommen, dann müsse er nicht noch mal hoch laufen. „Des is scho a nette idee, bringt aber nix, i muas no zu ihrer nachbarin eini, muas also eh noamal rauf“, berichtete er. Ach Gott der arme Kerl.

Er lächelte und nahm seinen Werkzeugkasten in die Hand und ich begleitete ihn zur Tür. Er ging ins Treppenhaus und wollte gerade die Treppen runter gehen. „Herr Fenstermensch – wollen sie den Werkzeugkasten nicht gleich da lassen? Oder brauchen Sie ihn nicht bei der Nachbarin?“, fragte ich noch schnell. „Ja mai, heid bin i scho bsonders deppad, den häd i jetzt mit oabi knumma und nachad wieda aufi gschleppt, mai dankschön“, kam es beschämt vom Fenstermenschen zurück. Er stellte seinen Werkzeugkasten ab, grinste noch mal und ging dann nach unten. Ich blickte ihm kurz hinterher und ging dann wieder in die Wohnung zurück.

Diesmal dauerte es knapp fünf Minuten bis es erneut an der Tür klingelte, ich konnte hören wie er die Treppen hoch kam. Natürlich hatte er auch diesmal wieder einen hochroten Kopf. Sein Auftragsschreiben wedelte er mir bereits einige Stufen zuvor entgegen. „So jezad aber, jetzt brauch i nur noch a unterschrift und dann hamas“, meinte er strahlend. Er folgte mir in die Küche, lächelte abermals als er das MacBook sah und fragte: „Hoats wieda klingelt?“ Ich musste lachen und verneinte seine Frage.

„Also, schaungs da muassens unterschreibn, glei da unten“, dabei deutete er auf die linke untere Ecke des Auftrages. Ich unterschrieb und gab ihm den Auftrag, inkl. Trinkgeld zurück und bedankte mich herzlichst. „Na, na des nehm i ned o, des brauchts gar ned, ich hab sovui Spass bei erna kappt, des passd scho so“, erwiderte er und gab mir sein Trinkgeld zurück. Ich wollte etwas erwidern, wurde jedoch von ihm ausgebremst: „ Wissns woas, wenn i mir a so a Maschin kaff, dann brauch i vielleicht a moi Hilfe und da dad ich sie dann wenn sie einverstanden sind oruafa, wär ihnen das recht?“

„Freili Herr Fenstermensch, ruafas mi einfach o, i helf erna dann scho gern weida“, erwiderte ich ich fehlerfreien bayrisch. Er lächelte und drückte meine Hand, faltete seinen Auftrag und steckte sie in die Gesäßtasche. Zusammen gingen wir zur Wohnungstür. „Machas as guad und merci no amoi für die lustige Zeit bei erna“, sagte er zur Verabschiedung. „Merci a und an schena Dag no und auf boid!“ antwortete ich……….

ENDE

 
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Teil VI Trigger, der Fenstermensch und ein schneller Aufbruch

Fortsetzung…

Drei Minuten später klingelte es erneut an der Haustür. Ich öffnete die selbige und hörte auch sogleich den schnaufenden Fenstermenschen die Treppen herauf kommen.

Mit hochrotem Kopf erschien Herr Fenstermensch in meinem Stockwerk. „Jeden Tag möchte ich nicht diese ganzen Stockwerke nach oben gehen“, meinte er schwer atmend.

Ich verbiss mir wiederum meinen Kommentar. (Was man nicht im Kopf hat, hat man eben in den Beinen).

Herr Fenstermensch stellte seinen Werkzeugkasten ab, nahm einen Metallstab und ein Schlüssel ähnliches Werkzeug aus dem Kasten und ging ins Badezimmer.

Ich fragte ihn währenddessen, wie er seinen Kaffee trinken möchte. Milch und Zucker wurde mir aufgetragen. Ich ging in die Küche und holte den fertigen koffeinfreien Kaffee, gab Milch und Zucker hinein und ging erneut ins Badezimmer zurück. Dort überreichte ich, dem immer noch schwer schnaufenden Handwerker, den Kaffee. Er bedankte sich, nippte sogleich, ein bis zwei mal am Kaffee und gab ihn mir zurück. Verstehe – ich war also der Halter des selbigen.

Er öffnete das Fenster, schimpfte über die Kälte und drehte mit seinem Werkzeug an einer Schraube im Fensterrahmen, dann schloss er das Fenster wieder. Er beugte sich näher an das Fenster und lauschte. Ich beobachtete ihn.

„Ah schon besser“ sagte er. Das Fenster öffnete er erneut und wieder schraubte er mit seinem Werkzeug an der Schraube, schloss das Fenster und kippte es im Anschluss.

„Mh, hm ja“ brummte er, erneut öffnete er das Fenster. Er rüttelte jetzt etwas am Fensterrahmen, schraubte nochmals und schloss es abermals. „Ah viel besser so“ sprach er, strahlend zu mir schauend. „Kommen Sie mal näher und hören Sie“. Ich verstand nicht recht, ich sollte hören? Gut ich folgte seiner Anweisung, kam näher und lauschte mit dem Kopf ans Fenster gewandt. „Hören Sie was?“ fragte er mich. „Nein, ich kann nichts hören.“ sagte ich wahrheitsgemäß. Offensichtlich war er mit dieser Antwort zufrieden. Er erklärte noch, dass das Fenster jetzt dicht sei.

Er griff nach dem Kaffee und wir gingen ins nächste Zimmer. Dort räumte ich schnell meine zwei Blumentöpfe weg und Herr Fenstermensch gab mir die Kaffeetasse zurück.

Er stellte sich ans geschlossene Fenster und lauschte. „Oh, da kann man ja den Fluss richtig laut hören, das ist nicht richtig dicht“ stellte er abermals fest. Es wiederholte das selbe Spiel wie im Badezimmer, Fenster auf – schrauben – Fenster zu – Fenster auf -wackeln am Fensterrahmen und erneut Fenster schließen.

„So, kommen Sie mal näher und hören sie jetzt“ forderte er mich auf. Ich tat wie mir geheißen und streckte meinen Kopf zum Fensterrahmen. „Und, können Sie etwas hören?“ fragte er lächelnd. Ich schüttelte den Kopf. „Schauen Sie, es zieht auch gar nicht mehr herein“ meinte er triumphierend. Ich legte meine Hand aufs Fensterbrett und spürte tatsächlich keinen einzigen Luftzug mehr.

„So, ja dann haben wir es ja“ verkündete Herr Fenstermensch. Ich machte ihn darauf aufmerksam das es noch zwei weitere Zimmer gäbe in denen die Fenster undicht wären.

Seltsamer Vogel dachte ich mir, kann sich auch nicht wirklich merken wie viel Fenster er zu reparieren hat. Wie dem auch sei, ich führte ihn ins Wohnzimmer und auch hier musste ich wieder am Fensterrahmen lauschen während er seinen Kaffee trank.

Er gab mir seine Tasse zurück und startete seine, mir bekannte Prozedur.

Fortsetzung folgt…

 
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Teil V Trigger, der Fenstermensch und ein schneller Aufbruch

Fortsetzung…

Im Hörbuch löste sich derweilen des Rätsels Lösung und ich lauschte kopfschüttelnd der Erzählung. Verwirrende Angelegenheit – junge Frauen, die ein oder andere Persönlichkeit, ein schwarzer Mann, die seltsame Kindheit, komische Wälder, der böse Wolf, Angsthasen und Doktoren – einfach eine irre Geschichte. Gerade als der Prolog anfing, klingelte es an der Haustür. Ich stand von meinem Stuhl auf und ging in den Flur, beendete mit einem Fingertipp mein Hörbuch und öffnete die Tür.

Ein etwa mitte 50jähriger Mann quälte sich die Stockwerke zu meiner Wohnung hinauf. Schnaufend begrüßte er mich. Ich streckte ihm die Hand zur Begrüßung entgegen und bat ihn herein.

Auffälligerweise, hatte er kein Werkzeug oder der gleichen dabei.

Ich: „Hallo Herr Fenstermensch, schön das es heute geklappt hat!“

Fenstermensch: „Ja (schnauf) ich konnte mich freischaufeln“ (er konnte sich freischaufeln? Wir haben einen Termin, was gibt es da zum freischaufeln???)

„So dann zeigen Sie mir doch mal die undichten Fenster.“

Ich führe ihn zu erst in das Badezimmer, er öffnete schnell das Fenster und gab seltsame Laute, wie „hm, ja, aha und so so“ von sich, schloss das Fenster wieder und ließ sich dann von mir das nächste Fenster zeigen. Auch hier sprach er offensichtlich seine Gedanken laut aus, öffnete und schloss das Fenster und ging dann ins nächste Zimmer. Das Wohnzimmerfenster öffnete er, wie die beiden vorherigen Fenster schnell und brummte währenddessen irgendwelche, mir unverständliche Laute vor sich her. Ich blickte ihn fragend an.

„ Ja, also äh, die Fenster sind undicht“ sagte er plötzlich. Ich bejahte und wartete auf einen weitern Satz von ihm. Sehr gesprächig schien der Fenstermensch nicht zu sein.

Er überwand die Stille und teilte mir seinen Plan mit, er würde jetzt nach unten gehen und sein Werkzeug holen, welches er brauchen würde um die Fenster nach stellen zu können. In zwei Minuten wäre er wieder da. Ich nickte nur. Die Frage warum er sein Werkzeug nicht gleich mitgebracht hatte, verbiss ich mir.

„Herr Fenstermensch, ich mache mir einen Kaffee, möchten sie auch einen?“ fragte ich noch schnell, bevor er aus der Türe schlich. Er drehte sich um und meinte verlegen: „Ich kann um diese Zeit keinen Kaffee mehr trinken, sonst schlafe ich nicht gut!“

„Herr Fenstermensch ich habe auch einen koffeinfreien Kaffee möchten sie diesen?“

Er strahlte mich an und bedankte sich für das Angebot, welches er freudig annahm.

Während er also sein Werkzeug von unten in den vierten Stock schleppte, machte ich uns einen Kaffee. Also einen koffeinfreien für den Fenstermenschen und einen anständigen für mich. Ich konnte durchaus um diese Uhrzeit noch einen „normalen“ Kaffee zu mir nehmen, schlafen würde ich mit Sicherheit sehr gut.

Fortsetzung folgt…

 
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Geschrieben von - 02 in Kurzgeschichten

 

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